03. Juni 2002 Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an den nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montag in Frankfurt am Main mit. In der Begründung heißt es, der 71 Jahre alte Schriftsteller sei eine der kräftigsten und zugleich subtilsten Stimmen Afrikas in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Die Verleihung des mit 15.000 Euro dotierten Preises soll am 13. Oktober in der Frankfurter Paulskirche stattfinden.
Der in Amerika lebende Achebe gelte unangefochten als Begründer der authentischen englischsprachigen Romantradition Westafrikas, heißt es in der Begründung des Stiftungsrats. Sein zentrales Thema sei, Frieden in Regionen herzustellen, die einem permanenten Kulturkonflikt ausgesetzt sind. Sein auf den ersten Blick einfacher Stil sei stark geprägt durch die orale Erzählkunst seines Volkes, der er damit ein Denkmal setze.
Achebe zählt zu den bekanntesten Romanschriftstellern Nigerias. Bereits 1958 erschien sein erster Roman Things Fall Apart (deutsch: Okonkwo oder Das Alte stürzt), der in 45 Sprachen übersetzt und über zwei Millionen Mal verkauft wurde. Der Roman erzählt die Geschichte eines Igbo-Häuptlings Ende des 19. Jahrhunderts, der seinen Stamm verlassen muss. Das Buch gehört zu den Klassikern der afrikanischen Gegenwartsliteratur.
Europäische Einflüsse auf afrikanische Gesellschaften
In seinen Werken beschäftigt sich Achebe mit den Einflüssen europäischer Werte und Gebräuche auf afrikanische Gesellschaften. Er sei zufrieden, hat Achebe 1975 geschrieben, wenn seine afrikanischen Leser in seinen Büchern erkennen könnten, dass ihre Vergangenheit keine lange, dunkle Nacht der Wildnis sei, von der sie die ersten Europäer göttergleich befreit hätten.
Achebe verfasste und veröffentlichte neben seinen Romanen auch zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten sowie Kinderbücher. Er wurde im November 1930 im ostnigerianischen Ogidi als Sohn eines Lehrers in einer Missionarsschule geboren. Nach Schule und Studium der Anglistik, Geschichte und Theologie arbeitete Achebe beim Rundfunk Nigerias und wurde dort 1961 Direktor des Auslandsdienstes. 1966 legte er das Amt nieder und wurde während des Biafra-Bürgerkrieges Sonderbotschafter in Europa und den USA. 1971 gründete Achebe die Literaturzeitschrift Okike, die besonders jüngeren Autorinnen und Autoren sowie Reflexionen über die gesellschaftliche Rolle von Literatur eine Plattform bot.
Seit einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 1990 ist Achebe auf den Rollstuhl angewiesen. Von Achebe sind unter anderem die folgenden Titel auf Deutsch erschienen: Sein erster Roman Okonkwo oder Das Alte stürzt, sein 1964 erschienener Roman Der Pfeil Gottes und die Sammlung Zwölf Gedichte.
Text: @kue
Bildmaterial: ap
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