22. Dezember 2002 Im Streit über eine Reform der Berliner Opern haben die Intendanten der drei Musikbühnen und Kultursenator Thomas Flierl (PDS) eine Einigung erzielt. Nach einem stundenlangen Verhandlungsmarathon hinter verschlossenen Türen erklärte Flierl am Sonntag, er habe nun die Zustimmung der Intendanten von Staatsoper, Deutscher Oper und Komischer Oper für ein Konzept. Kernpunkte seien drei eigenständige Häuser und eine langfristige Festschreibung sowie deutliche Absenkung der Zuschüsse.
Wir haben einen Konsens erreicht, sagte der Vorsitzende der Deutschen Opernkonferenz, der Münchner Staatsintendant Sir Peter Jonas, der einen Alternativorschlag in die Debatte eingebracht hatte. Dieses Modell will Flierl zusammen mit seinem bisher favorisierten Plan einer Stiftung als Dach für die drei Opernhäuser dem Senat am 6. Januar vorlegen. Einzelheiten über dieses Konzept nannte Flierl bisher nicht.
Gefahr der Schließung noch nicht gebannt
Eine Schließung oder Fusion von Opernhäusern, wie sie von mehreren Berliner Politikern gefordert wird, solle unbedingt vermieden werden, sagte Flierl. Diese Gefahr sei jedoch noch nicht gebannt. Über die Höhe der möglichen Einsparungen wollte er sich nicht äußern. Bisher hatte es geheißen, die Opernhäuser müssten bis zu zehn Millionen Euro im Jahr der Zuwendungen von bisher insgesamt 115 Millionen Euro einsparen.
Im Gegensatz zu seinem Konzept sei in dem Alternativmodell weder von einem Generaldirektor für die drei Bühnen noch von einer Querfinanzierung der Häuser die Rede. Dagegen waren die Intendanten Peter Mussbach (Staatsoper), Udo Zimmermann (Deutsche Oper) und Albert Kost Sturm gelaufen. Die Intendanten lehnten am Sonntag jede Stellungnahme zum Ergebnis der Verhandlungen ab. Sie hatten in der vergangenen Woche ihre Mitarbeit am Stiftungsvorhaben zunächst aufgekündigt, waren dann jedoch am Sonntag wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt.
Noch viele Einzelheiten offen
Mit dem nun erzielten Konsens sei ein Weg in die Zukunft der Berliner Opernhäuser gewiesen worden, sagte Jonas. Es müssten aber noch viele Einzelheiten geklärt werden. Der Teufel sitzt im Detail, Der Stuttgarter Opernchef Klaus Zehelein, der ebenfalls an dem Gutachten der Opernkonferenz mitgearbeitet hatte, betonte, die Kultur in Deutschland könne sich die Schließung von Opernhäusern in Berlin nicht leisten. Wir haben auch aus Eigeninteresse gehandelt, sagte Zehelein.
Bereits vor zwei Jahren hatte die Opernkonferenz ein Reformkonzept vorgelegt, das jedoch vom damaligen Kultursenator Christoph Stölzl (CDU) verworfen wurde. Nun habe sich die Lage angesichts der desolaten Finanzsituation Berlins dramatisch zugespitzt, betonte Zehelein.
Text: dpa
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