Selten gab es um einen Roman im Vorfeld seiner Veröffentlichung einen solchen Wirbel. Der streitbare Schriftsteller Martin Walser hatte das Manuskript seines neusten Werkes Tod eines Kritikers an die Frankfurter Allgemeine mit dem Vorschlag geschickt, den Text in Fortsetzung zu veröffentlichen. In einem Offenen Brief begründete der Feuilleton-Herausgeber dieser Zeitung daraufhin seine Ablehnung:
Walser bediene in seinem Roman unübersehbar aus dem Repertoire antisemitischer Klischees. Hinter der Romanfigur des Kritikers André Ehrl-König stehe Marcel Reich-Ranicki. Lange Zeit wird im Roman nach dem Verschwinden Ehrl-Königs an einen Mord geglaubt. Reich-Ranicki habe gemeinsam mit seiner Frau Teofila wider jede Wahrscheinlichkeit die Judenverfolgung der Nationalsozialisten überlebt. Die F.A.Z. werde keinen Roman drucken, der damit spielt, dass dieser Mord fiktiv nachgeholt wird.
Stellungnahmen
Bei verschiendenen Anlässen nimmt Walser zu den Vorwürfen Stellung. Neben ihm und Marcel Reich-Ranicki kommen Günter Berg, Verlagsleiter bei Suhrkamp, Bernd Lunkewitz, Verleger des Berliner Aufbau Verlags,und der österreichische Schriftsteller Robert Menasse zu Wort.
Der Text Bücher über Martin Walser stellt Besprechungen von Werken des Autors und Dokumentationen aus dem Rezensionsarchiv der F.A.Z. vor. Und der Beitrag Kritikermord als literarisches Sujet widmet sich einem Buch Bodo Kirchhoffs, das ebenfalls den Mord an einem Literaturkritiker zum Thema macht.
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Text: @kue
Bildmaterial: dpa