Oscar-Verleihung 2003

Kidman und Brody beste Darsteller - deutsche Regisseurin triumphiert

24. März 2003 Adrien Brody und Nicole Kidman sind bei der 75. Oscar-Verleihung am Sonntag als beste Hauptdarsteller ausgezeichnet worden. Nach mehr als zwanzig Jahren holte die deutsche Regisseurin Caroline Link in der Kategorie Fremdsprachiger Film einen Oscar wieder nach Deutschland.

Nicole Kidman spielt in „The Hours“ die Schriftstellerin Virginia Woolf. Das Drama erzählt die Geschichte dreier Frauen in drei unterschiedlichen Zeitepochen.

Abräumer „Chicago“

In der wegen des Irak-Kriegs mit etwas weniger Glamour als sonst versehenen Preisverleihung konnte die Musical-Verfilmung „Chicago“ mit mehreren Auszeichnungen seiner Favoritenrolle gerecht werden: „Chicago“ erhielt Oscars für den bester Film sowie Oscars für den besten Schnitt, Ton, Ausstattung und Kostümdesign. Catherine Zeta-Jones erhielt für ihre Rolle in „Chicago“ einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Die hochschwangere 33-Jährige nahm den Filmpreis von Sean Connery entgegen. Es ist ihr erster Oscar.

Den Oscar für den besten Original-Song erhielt Eminem für „Lose Yourself“ in seinem Film „8 Mile“.

"Der Pianist": bester Hauptdarsteller, beste Regie, bestes adaptiertes Drehbuch

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ehrte außerdem den 29-jährigen Adrien Brody für seine Darstellung als jüdischer Musiker in Roman Polanskis „Der Pianist". Für die Rolle in dem Drama lernte Brody Klavierspielen und nahm 14 Kilogramm ab. „Der Pianist“ war bereits im vergangenen Frühjahr zum besten Beitrag des Filmfestivals im französischen Cannes gewählt worden. Er beruht auf den Memoiren eines polnischen Juden, der während der Nazi-Zeit die Schrecken des Warschauer Gettos übersteht und seine Rettung einem deutschen Wehrmachtoffizier verdankt.

Für die Regie des Films „Der Pianist“ wurde der Regisseur, der wegen eines in den Vereinigten Staaten geltenden Haftbefehls abwesend war, mit dem weltweit bedeutendsten Filmpreis ausgezeichnet. Den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhielt Ronald Harwood für „Der Pianist“. Harwood hat dazu die Autobiographie des polnischen-jüdischen Pianisten Wladislaw Szpilman, dessen Geschichte der Film erzählt, als Vorlage benutzt.

Nach 1979 erstmals wieder ein deutscher Beitrag als Sieger

Mit ihrem Drama „Nirgendwo in Afrika“ gelang Link im zweiten Anlauf der Oscar-Gewinn - sie war bereits 1996 mit „Jensseits der Stille“ für die begehrte Trophäe aufgestellt worden. Diesmal wurde sie ihrer Favoritenrolle gerecht. Die Bestsellerverfilmung nach dem Roman von Stefanie Zweig handelt vom Schicksal einer jüdischen Flüchtlingsfamilie, die vor den Nazis ins Exil nach Kenia flieht. Link war bei der Preisverleihung im Kodak Theatre nicht anwesend. 1979 war der deutsche Film „Die Blechtrommel“ mit einem Oscar in dieser Kategorie bedacht worden.

Unter den europäischen Produktionen konnte sich sonst nur Pedro Almodóvars Film „Sprich mit ihr“ mit einem Oscar für das beste Original-Drehbuch hervortun.

Die Oscars der zweiten Reihe

Als bester Nebendarsteller geehrt wurde Chris Cooper für seine Rolle als exzentrischer Orchideenexperte in dem Drama „Adaption". „Ich wünsche mir für uns alle Frieden", sagte der 51-Jährige bei der Entgegennahme seines ersten Oscars mit Tränen in den Augen. In dem Oscar-gekrönten Meisterwerk „American Beauty“ von Sam Mendes hatte er vor vier Jahren einen martialischen, eisenharten US-Marine-Infanteristen gespielt - der sich an den Schultern von Kevin Spacey ausweint.

In der Kategorie Bester Animationsfilm konnte sich der Japaner Hayao Miyazaki mit „Chihiros Reise Ins Zauberland“ unter anderem gegen die Kinohits „Ice Age“ und „Lilo & Stitch“ durchsetzen.Peter O'Toole erhielt einen Ehren-Oscar.

„Die Zwei Türme“ aus der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ erhielt die Oscars für Spezialeffekte und für Toneffekte.

Der Film „Frida“ über die mexikanische Malerin Frida Kahlo wurde ausgezeichnet mit Preisen für das beste Make-Up und die beste Filmmusik.

Der Mann, der die fallenden roten Rosenblätter in dem Film "American Beauty" von Sam Mendes gefilmt hat, der im Januar verstorbene Kameramann Conrad L. Hall, erhielt einen postumen Oscar für seine Arbeit in „Road to Perdition“, ebenfalls von Sam Mendes.

Wenig Reaktionen auf den Krieg

Komiker und Moderator Steve Martin, der zum zweiten Mal die Gala-Veranstaltung moderierte, gelang es, das Publikum gleich zu Beginn trotz der im Zeichen des Irak-Kriegs stehenden Veranstaltung aufzulockern. Einzig Oscar-Preisträger Michael Moore nahm seine Dankesrede zum Anlass, Kritik an der Irak-Politik der amerikanischen Regierung zu üben. „Wir sind gegen diesen Krieg, Mr. Bush. Schämen Sie sich", sagte Moore, dessen Film „Bowling For Columbine“ als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.



Text: @chal
Bildmaterial: AP, dpa

 

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