Science Fiction

Wo soll man intelligente Leser finden?

“Setzt euch in die Panzer und greift an“: George Clooney in “Solaris“

"Setzt euch in die Panzer und greift an": George Clooney in "Solaris"

18. Februar 2003 Der Mensch ist peinlich. Als Schüler wusste der Science Fiction-Autor Stanislav Lem nicht einmal, was Pädophilie sei. Heute werfe sich jeder dritte Vater auf seine Tochter oder seinen Sohn. Da wäre es vielleicht ein Trost, wenn es im Universum noch andere Wesen gäbe. Auch wenn das Wesen wären, die vielleicht noch ekelhafter sind als wir Menschen.

Romanbrei mit Mayonnaise

In einem am Mittwoch erscheinenden Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung macht der Science Fiction-Olympier Stanislaw Lem aus seinem Herzen keine Mördergrube. Gerade ist sein Roman „Solaris“ nach über dreißig Jahren ein zweites Mal verfilmt worden. Viel erwartet Lem davon nicht. Sein Roman lasse sich nicht zerhacken, „um den Rest als Brei mit Mayonnaise zu servieren“.

„Solaris“ beschreibt die Wirkung eines Planeten, auf dem Bewusstsein in Gestalt einer gallertartigen, ozeanartigen Masse entstanden ist. Über das Wesen einer solchen Intelligenz zu grübeln, sei jedoch kein Stoff für einen Film. Die Enttäuschung ist programmiert: „Bei mir gibt es keine Monster.“

Wo soll man intelligente Leser finden?

Doch selbst Stanley Kubricks Weltraumoper „2002 -- Odyssee im Weltall“ kommt bei Lem nicht gut weg. Noch schlimmer als Kino sind für Lem allerdings Fernsehen und Internet. „Am besten war das Leben vor 120 Jahren, als es noch keinen Fernseher gegeben hat.“ Lems Assistent siebt deshalb nur das wichtigste aus all dem Informationsmüll heraus, der auch Lem täglich überflutet, wenn er auf die Jagd nach Interessantem geht.

Viel bleibt nicht übrig. „Es ist einfacher, eine große Perle auf dem Trottoir zu finden als einen guten Roman von einem 25-jährigen.“ Das ist aber auch kein Wunder: „Das größte Rätsel ist doch: Wo soll man intelligente Leser finden?“

Setzt euch in die Panzer und greift an!

Lem ist Pole. Die Nachrichten sieht er nur in deutscher Sprache: „denn die lassen mich am ehesten kalt“. Über den „dreckigen Kerl Saddam Hussein“ kann er sich trotzdem erhitzen. Würde man mit ihm „Schluss machen“, würde Lem das begrüßen.

Die deutsche Sicht der Dinge teilt er nicht, und auch Hans Blix, den Lem in Wien kennen gelernt hat, nachdem Blix für die Internationale Atomenergiebehörde die Reste des Tschernobyl-Reaktors inspiziert hatte, genießt nicht sein Vertrauen: „Der hat den Russen geglaubt, dass es nur sechs Opfer gegeben habe!“

Deshalb Lems Appell: „Setzt euch in die Panzer und greift an!“ Ein Präventivkrieg gegen Hitler hätte vermutlich vielen Millionen Menschen das Leben gerettet. Lem wartet also „auf den Angriff Amerikas auf den Irak“ und findet nur: „Ihr Außenminister ist übrigens dicker geworden.“

Text: @chal
Bildmaterial: Berlinale

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