Meinungsfreiheit

Proteste gegen „Google“-Zensur in China

Von Fridtjof Küchemann

05. September 2002 Die chinesische Regierung hat die Suchmaschine „Google“ gesperrt - und erntet dafür Kritik aus aller Welt.

In China wird das Internet zwar als Kommunikationsinstrument für die Wirtschaft und als Informationsmedium der Volkspartei beworben. Dass auch Wissenschaftler, Intellektuelle und Dissidenten das Netz für ihre Zwecke nutzen, ist der Regierung allerdings schon länger ein Dorn im Auge. Rund 14.000 Internet-Cafés sind erst Anfang des Jahres im Reich der Mitte geschlossen worden, Ende August saßen rund 30 Internet-Nutzer im Gefängnis.

Zur Zeit bereitet sich China auf den Kongress der Kommunistischen Partei im November vor. Staatspräsident Jiang Zemin hatte in einer Fernsehansprache angekündigt, im Vorfeld des Parteitags für eine „gesündere“ Medienlandschaft in China sorgen zu wollen. Jetzt ist „Google“, auch in China meistgenutzte Internet-Suchmaschine, im Land nicht mehr erreichbar. „Google“ kann nicht nur chinesische Schrift verarbeiten, sondern katalogisiert auch bereits von den Providern vom Netz genommene Seiten, die auf diese Art dennoch erreicht werden können.

Reporters Sans Frontières: „Besorgnis erregender Schritt“

In einem Schreiben an den chinesischen Außenminister Tang Jiaxuan hat die Organisation Reporters Sans Frontières, die sich international für die Verteidigung inhaftierter Journalisten und die Pressefreiheit einsetzt, die Blockierung der Suchmaschine als „Besorgnis erregenden Schritt“ bezeichnet. Die Behörden hätten bislang routinemäßig regierungskritische Websites überwacht, zensiert und gesperrt. Dass jetzt eine Suchmaschine gesperrt worden ist, eröffne eine neue Dimension.

Wenn man über Google englischsprachige Websites sucht, auf denen der Name des chinesischen Präsidenten genannt ist, erhält man nach Angaben der Presseagentur AP eine Liste mit etwa 156.000 Treffern. Auf www.sina.com, einer anderen in China populären Website, sind es 1.600, bei „Yahoo“ nur 24. Yahoo hatte sich gegenüber dem chinesischen Staat verpflichtet, von der Regierung als subversiv eingestufte Seiten zu sperren, und war damit international in die Kritik geraten.

Auch die Betreiber der Suchmaschine „Google“ haben nach eigenen Angaben Kontakt zur chinesischen Regierung aufgenommen. Hoffentlich mit anderem Ausgang.



Text: @kue

 
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