31. Januar 2007 Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk hat seinen Deutschlandbesuch überraschend abgesagt. Nach Angaben des Münchner Hanser-Verlags, der die Bücher des türkischen Schriftstellers verlegt, wurde die Visite kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben. Einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers zufolge erfolgte die Verschiebung aus Angst vor Attentaten. Pamuk sehe sich konkret gefährdet, so das Blatt.
Die geplanten Lesungen in Köln, Hamburg, Stuttgart und München werden nun ebenso wenig stattfinden wie die für den 2. Februar geplante Verleihung der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin an den 54 Jahre alten Autor. Der Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften wollten Pamuk als Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur auszeichnen. Wann und ob die Termine nachgeholt werden können, ist derzeit vollkommen unklar.
Absage aus Sicherheitsgründen
Pamuk hat internationale Anerkennung mit den Werken Die weiße Festung (deutsch 1990), Das schwarze Buch (deutsch 1995) und Das neue Leben (deutsch 1998) errungen. Im Jahr 2005 wurde Pamuk mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Am 10. Dezember 2006 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Sein neuestes Buch Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt ist auf Deutsch im November 2006 erschienen.
In seiner Heimat ist Pamuk umstritten, da er sich gegen die Leugnung des Völkermordes an Armeniern einsetzt. Er war deshalb schon wegen Beleidigung des Türkentums angeklagt worden. Möglicherweise steht der Verzicht auf die Deutschland-Visite im Zusammenhang mit dem kürzlichen Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink. Der mutmaßliche Drahtzieher des Mordes an Dink hatte am vergangenen Mittwoch vor einem türkischen Gericht gedroht: Orhan Pamuk, seien Sie klug.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
Bildmaterial: dpa
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