02. August 2005 Rußland will künftig allen Journalisten des amerikanischen Fernsehsenders ABC die Arbeit in dem Land verwehren, weil ABC ein Interview mit dem tschetschenischen Rebellenführer Schamil Bassajew ausgestrahlt hat.
Die Ausstrahlung sei ein klarer Fall von Beihilfe zur Terrorismus-Propaganda, teilte das Außenministerium am Dienstag in Moskau mit. Akkreditierungen für Journalisten von ABC würden nicht mehr verlängert, und sie dürften ab sofort keine Gespräche mehr mit Vertretern Rußlands führen.
Das Vorgehen gegen ABC dürfte der erste konkrete Schritt Rußlands gegen Vertreter eines großen westlichen Medienunternehmens sein. Präsident Wladimir Putin war in der Vergangenheit bereits wiederholt vorgeworfen worden, er schränke die Arbeit der russischen Presse ein.
Drahtzieher von Beslan
ABC hatte jüngst ein Interview mit Bassajew ausgestrahlt, dem meistgesuchten Mann Rußlands. Ihm werden zahlreiche tschetschenische Anschläge auf russische Truppen und Zivilisten während des seit Jahren andauernden Krieges in Tschetschenien angelastet. Er hatte sich zudem als Drahtzieher des Geiseldramas von Beslan bekannt, bei dem im September rund 330 Geiseln ums Leben gekommen waren, die meisten davon Kinder. Auf seinen Kopf sind zehn Millionen Dollar Belohnung ausgesetzt.
Bassajew hatte in dem Interview gesagt, er sei zwar ein Terrorist. Aber Rußland sei noch schlimmer. Er kündigte zudem an, die Anschläge würden so lange fortgesetzt, wie der Krieg in Tschetschenien andauere. Das russische Außenministerium teilte darüber hinaus mit, der rechtliche Status des Journalisten Andrej Babitsky werde überprüft. Er hatte das Interview mit Bassajew geführt. Auch werde man von seinen Arbeitgeber Radio Liberty eine Erklärung dafür fordern, warum Babitsky ohne Akkreditierung in Tschetschenien gewesen sei.
Sie können ihn selbst nicht finden
Der Journalist sagte Reuters in einem Telefon-Interview, die Behörden seien verärgert, weil Rußland selbst Bassajew seit Jahren nicht finden könne. Das zeigt, wie es um die freie Meinungsäußerung in Rußland derzeit steht, sagte er zu der Ankündigung des Außenministeriums. Von den amerikanischen Behörden war zunächst ebensowenig wie von ABC eine Stellungnahme zu dem Schritt Rußlands zu erhalten.
Das in den Vereinigten Staaten sitzende Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) erklärte, das Vorgehen Rußlands zeige die steigende Intoleranz des Kreml gegen jede Art von Kritik. Dies gelte vor allem mit Blick auf russische Aktionen in Tschetschenien. Rußland versuche eindeutig, ausländische Journalisten dahingehend einzuschüchtern, daß sie ihre Berichterstattung über den Krieg in Tschetschenien zensieren.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: dpa/dpaweb
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