Florian Henckel von Donnersmarck

Warum Cruise Graf Stauffenberg spielen muss

Cruise und Stauffenberg: Für Donnersmarck passt das zusammen

Cruise und Stauffenberg: Für Donnersmarck passt das zusammen

02. Juli 2007 Tom Cruise, Superstar und Scientology-Mitglied, will den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen - und deutsche Politiker sind entsetzt. Für den deutschen Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“) ist das unverständlich: Für ihn ist Cruise als Stauffenberg ein großes Glück für Deutschland.

Cruise, so schreibt Donnersmarck in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Dienstag-Ausgabe), „ist der erfolgreichste aller Superstars“. Indem er sich der Rolle Stauffenbergs annehme, werde er „sein Superstar-Licht auf diesen seltenen glanzvollen Moment im düstersten Kapitel unserer Geschichte werfen. Er wird dadurch allein das Ansehen Deutschlands mehr befördern, als es zehn Fußball-Weltmeisterschaften hätten tun können.“

„Deutsche Verbotsgeilheit“

“Cruise wird das Ansehen Deutschlands befördern“: Florian Henckel von Donnersmarck

"Cruise wird das Ansehen Deutschlands befördern": Florian Henckel von Donnersmarck

Damit wendet sich Donnersmarck gegen die Kritik Graf Berthold von Stauffenbergs, des Sohns des Attentäters, der gefordert hatte, Tom Cruise „soll die Finger von meinem Vater lassen“, und es als ihm „unsympathisch“ bezeichnet hatte, „dass ein bekennender Scientologe meinen Vater spielt“ (siehe: Stauffenbergs Sohn gegen Tom Cruise). Ebenso kritisiert der Regisseur die „deutsche Verbotsgeilheit“, die die „Sektenexpertin“ der CDU Antje Blumenthal und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung demonstriert hätten, indem sie Cruise eine Drehgenehmigung für den Bendlerblock verweigern wollten - obwohl noch überhaupt kein Antrag auf eine Drehgenehmigung seitens der Produktionsfirma vorlag.

„Wie sehr hat sich Deutschland gewandelt hat in den letzten Jahrzehnten - und gleichzeitig wie wenig! Waren uns Stauffenberg und Konsorten nach dem Krieg noch undeutsche Vaterlandsverräter, so ist uns heute selbst der größte Star der Siegernation nicht gut genug, unseren Übermenschen Stauffenberg zu spielen, wenn dieser Star in seinen persönlichen Überzeugungen nicht ganz auf dem gegenwärtigen Kurs Deutschlands liegt“, schreibt Donnersmarck in seinem F.A.Z.-Artikel.

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Den Artikel Florian Henckel von Donnersmarcks finden Sie im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Dienstag, dem 3. Juli 2007.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

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