18. Oktober 2004 Als erste Institution hat die British Library einen eigenen Kurator für digitale Manuskripte angestellt. Jeremy John fällt die Aufgabe zu, ein digitales Archiv anzulegen mit E-Mails bedeutender Figuren, die sonst in der Akte "gelöschte Objekte" verlorengehen würden. Damit wird der größten Revolution in der Verarbeitung von Wissen seit der Erfindung des Buchdrucks Rechnung getragen.
Das Material wird in einem klimatisierten Raum mit Metalltüren gelagert, um magnetische Störungen zu verhindern. Außerdem wird es auf CD-Roms kopiert. Die Bibliothek hat bereits die elektronische Post des ehemaligen Hofdichters Ted Hughes erworben und hat eine Wunschliste mit Namen, deren Computerarchiv sie sammeln will, darunter die "Harry Potter"-Autorin J. K. Rowling. Sie appelliert an alle namhaften Figuren, ihre Korrespondenz zu speichern, um künftigen Generationen den gleichen Einblick in ihr Tun zu geben, wie es früher durch Briefe auf Papier geschah.
Die Technologie schreitet derart schnell voran, daß das bestehende Archiv Material enthält, das mangels passender Hard- und Software nicht gelesen werden kann. So besitzt die British Library ein Gerät des Kybernetikers und Klimatologen James Lovelock, zu dem das Netzkabel fehlt. Und Papierstreifen eines Computers aus den sechziger Jahren, der dem Evolutionsbiologen Bill Hamilton gehörte, können nicht entschlüsselt werden. Seltene Modelle obsoleter Computer sind deswegen ebenso gefragt wie die E-Mails von Politikern, Autoren und Wissenschaftlern, die sich die British Library für ihr Archiv erhofft.
Text: G.T. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2004, Nr. 244 / Seite 37
Bildmaterial: AP
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