25. Oktober 2003 Der Münchner Autor und Filmemacher Alexander Kluge hat am Samstag in Darmstadt den mit 40.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis erhalten. Der 71 Jahre alte Autor sei ein Chronist des 20. Jahrhunderts, der das Universum der Geschichte und der Gefühle mit Scharfsinn und unbestechlicher Fantasie seziert und gleichzeitig erweitert hat, heißt es in der Urkunde der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Außerdem erhielten der Freiburger Schriftsteller Klaus Theweleit den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und der in Zürich lebende Altphilologe Walter Burkert den Sigmund-Freund-Preis für wissenschaftliche Prosa. Diese Auszeichnungen sind mit 12.500 Euro dotiert.
Die Gattung Kluge geschaffen
Kluge habe eine eigene Literaturgattung geschaffen, die Gattung Kluge, sagte der Literaturprofessor und Kunstmäzen Jan Philipp Reemtsma in seiner Laudatio. In seinen Arbeiten verzichte der Autor auf Zusammenhänge und überrasche mit unerwarteten Wendungen. Wo immer wir durch seine Prosa etwas sehen, sehen wir eine Lücke im Weltgewebe, sagte Reemtsma. Insofern sei der Titel von Kluges jüngst erschienen Buch Die Lücke, die der Teufel läßt konsequent. Kluges literarisches Werk rückte Reemtsma in die Nähe von Kafka. Wie dieser sei Kluge ein guter Verrätseler. Kluges Credo sei: Wir kennen die Welt ziemlich gut und kennen uns doch nicht in ihr aus.
Klaus Theweleit wurde für seine weit ausgreifenden kulturpsychologischen Essays gewürdigt. Darin sei es ihm gelungen, das Verhältnis der Geschlechter in verblüffend neuer Konfiguration allgemeinverständlich zu beschreiben. Walter Burkert wurde von der Akademie für seine vieldimensionalen Studien über Opfer und Kult, Mythos und Ritual gewürdigt. Sie zeigten die wilden Ursprünge der Kultur in Blut, Tod, Wahnsinn, Aggression und Angst.
Text: dpa
Bildmaterial: AP
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