Buchmessen-Eröffnung

Schröder fordert Dialog mit dem Islam

Die arabische Welt entdecken

Die arabische Welt entdecken

05. Oktober 2004 Mit einem Aufruf zum Dialog zwischen dem Islam und dem Westen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Dienstag die 56. Frankfurter Buchmesse eröffnet. „Wo Verständnis, Offenheit, Toleranz und auch Neugierde herrschen, da wird es nicht mehr gelingen, einen Keil zwischen arabische und westliche Welt zu treiben“, sagte der Bundeskanzler laut Redemanuskript und fügte hinzu: „Wer immer das dennoch versucht, hat mit unserem entschiedenen Widerstand zu rechnen.“

Die Arabische Welt ist Ehrengast der Buchmesse, auf der dieses Jahr 6.691 Aussteller aus 111 Ländern rund 350.000 Titel präsentieren. Rund 1000 Autoren werden erwartet, darunter 200 aus der arabischen Region und aus dem Exil. Wegen der Terroranschläge in den vergangenen Jahren sei in der westlichen Welt die Angst vor dem Islam gewachsen, räumte Schröder ein. Es gehe dabei jedoch nicht um einen Kampf der Kulturen. „Wir sollten überhaupt mehr Vorsicht walten lassen, bevor wir Konflikte kulturell interpretieren“, sagte Schröder. Statt dessen sollten die Kulturen gegen den Terror zusammenstehen. „Für alle Staaten, auch die arabischen, ist damit die Verpflichtung verbunden, Terroristen und fanatische Geiselnehmer zu ächten und zu bekämpfen.“

Appell an Isrealis und Palästinenser

Den Frieden in der Welt sieht der Bundeskanzler durch die Krisen im Nahen Osten und dem Irak bedroht. Er rief Israelis und Palästinenser auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Im Irak werde Deutschland weiterhin einen Beitag zum Wiederaufbau leisten: „So bilden wir in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten irakische Polizei- und Militärkräfte aus.“

Schröder appellierte an die arabischen Völker, sich energisch für Frieden in der Region einzusetzen. „Es gibt im arabischen Raum hoffnungsvolle Zeichen für eine verstärkte Zusammenarbeit. Und die Arabische Liga hat hierbei eine wichtige Aufgabe.“ Ein geeintes Arabien erscheine heute noch als Utopie, doch das habe vor nicht einmal 60 Jahren auch für Europa gegolten. Zum Abschluß zitierte Schröder ein arabisches Sprichwort: „Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.“

In Frankfurt sind dieses Jahr knapp ein Prozent mehr Aussteller vertreten als im Vorjahr. Damit habe die Messe ihre Position als „weltweite Leitveranstaltung“ der Buchbranche ausgebaut, sagte Messe- Direktor Volker Neumann am Dienstag. Die derzeitige Flaute im Buchgeschäft wertete der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, nicht als Ausdruck einer „Lese-Krise“. Ursache sei vielmehr die allgemeine Konsumzurückhaltung.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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