Doping-Kommentar

Zum Schutz der sauberen Athleten

Von Jörg Hahn

05. Mai 2008 Die Nationale Anti-Doping-Agentur macht spektakulär auf ihre Nöte aufmerksam, indem sie den Vertrag mit dem Deutschen Eishockey-Bund für Kontrollen kündigt. Nachdem die Agentur in ihren Anfangsjahren aufgrund eigener Fehler zu Recht in die Kritik geraten war, will sie sich jetzt in der Phase eines notwendigen wie vielversprechenden Neuaufbaus nicht von einem Sportverband, dem das Thema Dopingtests eher lästig zu sein scheint, die Geschäftsgrundlage beschädigen lassen.

Die Geschäftsgrundlage, das ist die uneingeschränkte Gültigkeit des Nada-Kodex in der Dopingbekämpfung - und betrifft den zeitlichen und logistischen Ablauf von Kontrollen ebenso wie die Sanktionierung von Verstößen.

Der Eishockey-Bund erlaubt sich eine ganz eigene Sicht der Dinge

Im "Anti-Doping-Aktionsplan" des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), im Dezember 2006 in Weimar einstimmig beschlossen, findet sich als dritter von zehn Punkten die Forderung an DOSB-Mitgliedsverbände, "Mindeststandards bei der Dopingbekämpfung verbindlich machen". In der Präambel zum Regelwerk der Nada wird festgehalten, "dass die Dopingbekämpfung nur auf einer international einheitlichen Grundlage zum Erfolg führen kann".

Der Deutsche Eishockey-Bund, ein DOSB-Mitglied und bis Sonntagabend Vertragspartner der Nada, erlaubt sich - fahrlässig oder vorsätzlich? - eine ganz eigene Sicht der Dinge. Schon die Sanktionierung gegen den Nationalspieler Busch, der einen Dopingtest verweigert hatte, widersprach dem Nada-Kodex. Geldstrafe statt Sperre, das passte DEB und Bundestrainer Krupp gut ins WM-Konzept, regelkonform war es nicht.

Will der deutsche Sport eine glaubwürdige Dopingbekämpfung?

Dass in der aktuellen deutschen Nationalmannschaft bei der Eishockey-WM in Kanada mindestens neun Spieler stehen, die der Nada nicht für Trainingskontrollen gemeldet worden sind, unterschreitet den Mindeststandard und verletzt das Gebot einer einheitlichen Linie im Anti-Doping-Kampf. An die Nominierungsrichtlinien des DOSB für Olympische Spiele - die verbindlich vorsehen, dass sich alle Athleten, die für eine Teilnahme in Frage kommen sollen, dem Trainingskontrollsystem der Nada unterwerfen - ist jeder Fachverband auch bei anderen Großereignissen wie Weltmeisterschaften gebunden. Es geht um eine einfache Frage: Will der deutsche Sport eine glaubwürdige Dopingbekämpfung? Wer dies nicht ohne Wenn und Aber mit "Ja" beantwortet, hat im DOSB nichts zu suchen und auch keine öffentlichen Sportfördermittel verdient.

Schauen wir noch einmal auf die grundsätzliche Dimension des Falles Busch: Es handelte sich nicht um eine schusselig verpasste Kontrolle, sondern um die Verweigerung eines Tests. Eine Verweigerung soll deshalb so streng bestraft werden - nach einer Einzelfallprüfung mit mindestens einem Jahr Sperre -, damit es für einen Athleten, der eine verbotene Substanz eingenommen hat, keinen Anreiz gibt, die Abgabe einer Probe abzulehnen, um so einem positiven Test und damit einer noch schärferen Sanktion zu entgehen. Dieses Prinzip ist nicht erdacht worden, um saubere Athleten zu schikanieren - sondern um sie vor Dopern zu schützen und um einen dopingfreien Sport wieder denkbar zu machen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

 

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