Der Radsport-Kommentar

Der ewig währende Kredit

Von Christoph Becker

21. Mai 2008 Andreas Klöden bei Olympia? „Nicht für Deutschland“, zitierte die italienische „Gazzetta dello Sport“ gestern den Radprofi. Es klang, als sei Klöden fertig mit Deutschland und dessen Journalisten, die „den Radsport umgebracht“ hätten. Das wäre eine gute Nachricht gewesen, hätte sie dem deutschen Sport, dem Radsport zumal, eine neue Runde in der Dopingdiskussion erspart.

Doch: das Interview mit Klöden stimmte so gar nicht, jedenfalls nicht die Aussage zur Absage an einen Olympiastart für Schwarz, Rot und Gold. Vielmehr würde er „sehr gerne“ für sein Geburtsland in Peking starten, ließ Klöden Udo Sprenger wissen, den Vizepräsidenten des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR).

„Nichts Negatives bekannt“ über Klöden

Und der Verband nimmt den Astana-Profi allem Anschein nach nur allzu gerne auf in den Kandidatenkreis für die Olympischen Spiele. Leistungssportdirektor Burckhard Bremer „ist nichts Negatives bekannt“ über Klöden. Der BDR hat offenbar Gefallen daran, die Diskussion nicht sterben zu lassen.

In einem hat Bremer Recht: Negatives im Sinne positiver Doping-Tests ist von Klöden tatsächlich nicht bekannt. Er war lediglich stets im Windschatten unterwegs - in seiner T-Mobile-Zeit beim im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren überführten Doper Ullrich. Für Astana beim während der Tour im vergangenen Jahr positiv getesteten Winokurow. Und bei Patrik Sinkewitz, als der sich nach dem Tour-Prolog 2006 im „Rhein-Konvoi“ zu Dopingzwecken von Straßburg nach Freiburg begab. Das hat Sinkewitz dem Bundeskriminalamt als Zeuge gesagt. Mehr nicht.

Noch Lust, über den Radsport nachzudenken?

Wegen dieser Tatsachen hat kaum noch jemand Lust, über den Radsport nachzudenken, geschweige denn, ihm neuen Kredit zu geben. Den Verantwortlichen des BDR reichen sie, laut über Klöden in Peking nachzudenken. Bei ihnen ist der Kredit der dopingverseuchten Generation Telekom immer noch nicht aufgebraucht. Klöden habe eine faire Chance verdient, sagt Bremer.

Das gleiche sollte für den Deutschen Olympischen Sportbund gelten, der letztlich über den Olympiakader entscheidet. Man kann nur hoffen, dass dort niemand lange über eine Absage an Klöden nachdenken muss. Für ein solches Zeichen müsste Klöden nicht einmal vom BDR vorgeschlagen werden.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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