Von Michael Eder
08. Januar 2008 Mit Stefan Schumacher würden wir nur ungern tauschen. Nicht nur, dass sich der Radprofi vom Team Gerolsteiner schon Anfang Januar auf Mallorca wieder von morgens bis abends abstrampeln muss, um in Form zu kommen, das ginge ja noch. Es ist vielmehr die Ungewissheit, um die wir ihn nicht beneiden. Man muss sich das einmal vorstellen: Morgens aufwachen und immer wieder die gleiche furchtbare Frage: Was ist heute wieder in meinem Körper? Und vor allem: Wie ist es hineingekommen?
Die letzte unangenehme Überraschung ereilte Schumacher bekanntlich nach jener charismatischen Weltmeisterschaft, an die Stuttgart noch immer so gern zurückdenkt. Damals war der Athlet, verständlich nach seinem fabelhaften dritten Platz, in seiner Heimatstadt Nürtingen mit dem Auto gegen einen Gartenzaun gefahren, und siehe da: Als die Polizei nach Alkohol- und Drogengehalt fahndete, wurde sie überall fündig. Schumacher hatte nicht nur Alkohol im Blut, sondern auch eine Spur, die direkt zu Amphetaminen führte.
Auf heimtückische Weise in seinen Körper geschlichen
Während der prominente Kollege Jan Ullrich, der seinen Porsche auch schon in einem Fahrradständer geparkt hatte, in einem ähnlichen Fall die Muntermacher in seinem Körper seinerzeit noch völlig einleuchtend erklären konnte - man hatte ihm in der Disco Pillen angedreht, die so bunt waren, dass er sie nicht ablehnen konnte -, war Schumacher nach der Polizeikontrolle völlig baff gewesen.
Keine Ahnung, wie das Zeug dorthin gekommen ist, nämlich in seinen Körper, wo es nach Meinung der Doping-Fahnder einfach nicht hingehört. Der Mann ist ein Pechvogel, ganz ohne Zweifel. Wenn sich einmal nichts auf heimtückische Weise in seinen Körper hineingeschlichen hat, dann hat sich etwas verabschiedet, ganz ohne zu fragen, so geschehen knapp vor der WM in Stuttgart, als Schumacher mit unschön erhöhten Blutwerten aufgefallen war.
Radfahren ist auch ein Bahnsport, ein Blutbahn-Sport
Eine schwere und unaufhaltsame Durchfallerkrankung, so seine Deutung, hatte diese bedauerliche Körperpanne ausgelöst. Und dann noch die Geschichte bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005, als Schumacher positiv auf den verbotenen Wirkstoff Cathin getestet, später aber vom Doping-Vorwurf freigesprochen wurde, weil er diesmal zwar gewusst hatte, was er wegen einer Pollenallergie einnahm, nämlich ein Antiallergikum, aber auch wiederum nicht, nämlich, dass es auf der Doping-Liste steht; der niederländische Verband hatte die Einnahme genehmigt - na, dann war ja alles in Ordnung.
Mal sehen, was als Nächstes auftaucht im Körper des Stefan S. Wir sind gespannt und lassen uns überraschen. Was wir an dieser Stelle am Beispiel Schumacher schon einmal feststellen können: Radfahren ist auch ein Bahnsport, ein Blutbahn-Sport.
Text: F.A.Z., 09.01.2008, Nr. 7 / Seite 26
Bildmaterial: dpa