Anti-Doping-Kampf

„Ich dachte, dass andere Sportarten mehr tun als Billard“

09. Juli 2008 Die Barmer Billard Freunde 1929 Wuppertal sind vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit dem Grünen Band für ihre aktive Anti-Doping-Arbeit ausgezeichnet worden. Der 1. Vorsitzende Axel Heger erläutert im Gespräch, wie es ausgerechnet eine recht dopingunverdächtige Sportart zu einer Vorreiterrolle im Anti-Doping-Kampf gebracht hat.

Ihr Verein wurde vom Deutschen Olympischen Sportbund als einer von drei Vereinen für seine Präventionsarbeit gegen Dopingmissbrauch ausgezeichnet. Wie sieht Ihr Anti-Doping-Kampf aus?

Wir leisten als Landesleistungsstützpunkt für Nordrhein-Westfalen viel Ausbildungsarbeit für Trainer und Sportler. In diesen Kursen steht das Thema Doping ganz oben. Präventiv arbeiten wir vor allem mit Blick auf Jugendliche, die wir über die Folgen von Dopingmissbrauch genauso aufklären wollen wie über den Missbrauch von Drogen oder auch Alkopops und Nikotin.

Bei der Notwendigkeit von Dopingprävention denkt man eher an den Radsport oder andere Kraft-Ausdauersportarten. Wieso muss sich auch Billard mit Doping aueinandersetzen?

Als vom DOSB anerkannte Sportart unterliegen wir schlicht und ergreifend genauso den Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) wie jede andere Sportart auch. Deshalb ist das zwangsläufig für uns ein Thema, für das wir sensibilisieren müssen, auch wenn mancher Billard-Sportler das noch nicht so ganz verinnerlicht hat.

Wird also wild gedopt im Billard?

Nein, das nicht. Es geht mehr darum, dass unter Billard-Spielern das Wissen bezüglich verbotenen Substanzen nicht so verbreitet ist. Und für uns sind gemäß Wada und Nada die selben Substanzen verboten wie für Schwimmer, Leichtathleten oder Fußballspieler.

Wie sieht denn der Alltag aus? Werden Billard-Spieler ständig kontrolliert?

Bei Deutschen Meisterschaften und großen internationalen Wettkämpfen werden Dopingproben genommen wie in jeder anderen Sportart.

Gibt es denn bei Ihnen Dopingskandale?

Skandale wäre ein bisschen hochgehängt. Aber im vergangenen November sorgte der Fall Axel Büscher für Aufsehen. Ihm wurde der Deutsche Meistertitel im Einband aberkannt und er wurde von der Nada zunächst für zwei Jahre gesperrt.

Was hat er genommen?
Er durfte vom Arzt verordnet wegen Bluthochdrucks Beta-Blocker nehmen, was in unserem Sport verbreitet ist, weil wir auch viele ältere Sportler in der Leistungsspitze haben. Axel Büscher hatte seine Medikation auch schon seit längerer Zeit ordnungsgemäß angemeldet. Kurz vor der Meisterschaft wechselte sein Arzt aber auf einen anderen Beta-Blocker, der den Wirkstoff Hydrochlorothiazid enthielt. Der wiederum ist ein Maskierungsstoff für Epo und Büscher hat vergessen, das zu melden.

Epo dürfte aber nicht ernsthaft im Billard einen Vorteil bringen, oder?

Definitiv nicht. Aber jeder Verband unterliegt nun mal denselben Vorschriften von Nada und Wada.

Sind Sie denn stolz, dass sie jetzt durch die Preisverleihung in einer Vorreiterrolle sind?

Wir sind eher überrascht, weil wir angenommen haben, dass das Dopingproblem in anderen Sportarten einen noch höheren Stellenwert haben müsste und dort eigentlich noch mehr Anstrengungen unternommen werden müssten in der Präventionsarbeit, zumal dort ja ganz andere finanzielle Möglichkeiten bestehen als in einem kleinen Verband wie dem unseren.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.



Bildmaterial: ddp, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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