Wo genau ist er zu lokalisieren?
Oder war`s am Ende eine ganze Vogelschar in meisterhafter Synchronität?
Vielen Dank, dass in diesem Artikel das erste Mal ein Journalist das Verhalten einzelner Pressevertreter kritisiert. Guckt man sich den Profi-Radsport heute an, so muss jedem, der auch nur die Spur einer Ahnung hat folgendes klar sein:
• Es gibt eine unheilige Allianz zwischen Pharmaunternehmen, Ärzten, Presse und Zuschauern: Die Bilder können gar nicht spektakulär genug sein, in einer Etappe werden den Rennradfahrern bis zu 3 Berge der höchsten oder zweithöchsten Kategorie zugemutet, die TdF beinhaltet ca. 3.500 km jedes Jahr, die vom Peloton in 20 Etappen zurückgelegt werden müssen, ... Und alle tragen mit dazu bei, dass den Profis irrsinnige Strapazen aufgebürdet werden.
• Viele der geforderten Leistungen sind unter normalen Umständen kaum zu erbringen, dafür ist der menschliche Organismus nicht geschaffen.
• Ein deutscher Alleingang nützt den Profis überhaupt nichts, da die internationalen Teams dann einfach so weitermachen wie bisher.
• Ein wenig mehr Ehrlichkeit im Umgang mit den Sportlern wäre wünschenswert! Genau die Journalisten, die jetzt von "Lügen" etc. sprechen, haben sich begeistert im Rampenlicht der Tour und ihrer Helden gesonnt - und hätten wissen müssen, dass solche Leistungen ohne Doping kaum möglich sind.
nachdem ich heute zb von spiegel-online, von sz-online oder aber auch in den heute-nachrichten des zdf lediglich darüber informiert wurde, daß ja nun heute große doping-beichten stattgefunden hätten, habe ich mir die entsprechenden aussagen der betroffenen einmal etwas näher angesehen.
mal ganz im ernst: wenn zb e. zabel uns heute unter tränen weißmachen will, daß er in seiner karriere lediglich eine (= EINE!) woche gedopt haben will, dann wird mir's schon warm um's herz. hat aber augenscheinlich kaum jemanden gekümmert.
naja: und warum ich um diese späte zeit noch einen zugang zu diesem account beantragt habe, liegt einfach daran, daß ich der FAZ einmal wieder ein großes kompliment auszusprechen habe: hier lese ich exklusiv die hinsichtlich der aktuellen doping-geschehnisse notwendige distanz, hier lese ich skepsis heraus (und kein jubeln) und insbesondere der letzte satz des artikels zeigt mir, daß noch nicht alle an vergeßlichkeit leiden.
bitte weiter so.
stephen nuendel
genauso wie im letzten Absatz beschrieben geht es mir auch, wenn ich daran denke - vielen Dank Herr Hanfeld -
nur gut dass zumindest Herr Boßdorf inzwischen nicht mehr krokodilstränenweinend seine Forderungen nach "Aufklärung" und "Ehrlichkeit" in den "Tagesthemen" verbreiten kann...
Es gibt kaum Sportarten, in denen nicht immer wieder positiv getestet wird. Und nicht nur Kristin Otto, sondern viele der Sportredakteure bei Zeitung, Funk und Fernsehen waren früher selbst Aktive, sollten das System also zumindest kennen. Wenn ausgerechnet sie sich heute überrascht oder gar schockiert geben, zeigt das nur, für wie blöd sie ihre Leser und Zuschauer halten.
Weit wichtiger ist m.E. jedoch: Wann fängt Doping wirklich an? Erst mit dem Spritzen verbotener Substanzen oder schon mit der Einnahme "legaler" leistungsfördernder Mittel? Was ist z.B. mit Schmerzmitteln, die einem Athleten erlauben, trotz Schmerzen weiter zu trainieren? Oder mit Vitaminkuren? Oder mit Höhentraining?
Ich finde, Doping ist alles, was über die vom Menschen selbst zu erbringende Leistung hinaus geht. Und man braucht kein Profi zu sein, um zu wissen, dass die menschliche Leistungskraft nicht ausreicht, um Langlauf-Weltrekorde aufzustellen, einen Triathlon in acht Stunden zu absolvieren oder eine Tour de France zu fahren.
Erst, wenn das alle Beteilgten – auch Politiker, Fans und Sponsoren – akzeptieren, ist der erste Schritte zu einem "sauberen" Sport getan. Egal, in welcher Disziplin.