27. November 2007 Von gefeierten Toursiegern zu verschmähten Dopingsündern: Dem kometenhaften Aufstieg nach mühsamem Start folgte in den letzten 17 Monaten der Absturz des Teams Telekom/T-Mobile. Die Geschichte des Rennstalls.
1991: Die Deutsche Telekom steigt ins Radsport-Sponsoring ein und gibt dem Team Telekom seinen Namen, das aus dem Ende der 80er Jahre gegründeten Team Stuttgart hervorging.
1992: Nach der ersten Saison übernimmt Walter Godefroot die sportliche Leitung. Udo Bölts gewinnt die Königsetappe des Giro d'Italia. Bei der ersten Tour-Teilnahme fährt Jens Heppner in der Gesamtwertung auf Rang zehn.
1993: Weitere deutsche Spitzenfahrer werden verpflichtet. Sprinter Olaf Ludwig sorgt für zahlreiche Siege, unter anderem für den ersten Tour-Etappensieg. Im Oktober wird er WM-Dritter.
1994: Ludwig gewinnt den Klassiker Rund um den Henninger-Turm. Erik Zabel gewinnt Paris-Tours und holt damit den ersten Weltcup-Sieg für das Team.
1995: Trotz guter Ergebnisse im Frühjahr wird das Team nicht zur Tour de France eingeladen. Erst nach langen Verhandlungen lassen die Organisatoren eine sechsköpfige Teil-Mannschaft zu. Zabel gewinnt zwei Etappen.
1996: Der Däne Bjarne Riis, im Vorjahr bereits Dritter, gewinnt die Tour de France. Jan Ullrich fährt bei seiner ersten Teilnahme auf Rang zwei, Zabel holt zwei Etappensiege und zudem das Grüne Trikot des besten Sprinters.
1997: Jan Ullrich löst als erster deutscher Tour-Sieger einen Radsport-Boom aus, das Sponsoring der Telekom wird zu einem der effektivsten der deutschen Sportgeschichte. Zabel gewinnt drei Etappen sowie erneut das Grüne Trikot, das Team entscheidet die Mannschaftswertung für sich.
1998: Ullrich muss sich dem Italiener Marco Pantani geschlagen geben. Zabel gewinnt keine Etappe, holt aber das Grüne Trikot zum dritten Mal.
1999: Ullrich stürzt bei der Deutschland-Tour und kann nicht an der Tour teilnehmen. Zabel, der im Frühjahr zum zweiten Mal Mailand-San Remo gewann, holt sich auch ohne Tour-Etappensieg erneut das Grüne Trikot. Ullrich gewinnt nach überstandener Verletzung die Spanien-Rundfahrt und die Zeitfahr-WM.
2000: Ullrich verpasst den zweiten Tour-Sieg erneut und muss sich als Zweiter dem Amerikaner Lance Armstrong geschlagen geben. Zabel gewinnt wieder eine Etappe und das Grüne Trikot. Ullrich holt bei den Olympischen Spielen in Sydney Gold im Straßenrennen vor seinen Teamkollegen Alexander Winokurow und Andreas Klöden und im anschließenden Zeitfahren Silber.
2001: Ullrich wird erneut hinter Armstrong Zweiter der Tour und siegt im Herbst zum zweiten Mal bei der Zeitfahr-WM. Zabel gewinnt zum sechsten und bisher letzten Mal das Grüne Trikot sowie zum vierten Mal den Frühjahrs-Klassiker Mailand-San Remo.
2002: Ullrich verursacht einen Autounfall unter Alkoholeinfluss und wird wenige Wochen später während eines Reha-Aufenthaltes nach einer Knie-OP positiv auf Amphetamine getestet. Er erklärt, in einer Disco Pillen von einem Unbekannten angenommen zu haben, wird für sechs Monate gesperrt und vom Rennstall entlassen.
2003: Winokurow fährt bei der Tour auf Platz drei, landet aber einen Rang hinter Ullrich, der ein Comeback beim Team Bianchi feiert. Daraufhin vermeldet die Teamleitung im Herbst die Rückkehr des Stars.
2004: Im ersten Jahr als T-Mobile Team bleibt der erhoffte Toursieg aus. Klöden und Ullrich fahren auf die Plätze zwei und vier. Größte Erfolge sind Steffen Wesemanns Sieg bei der Flandern-Rundfahrt und Ullrichs Gewinn der Tour de Suisse. Zabel wird in Verona Vizeweltmeister.
2005: Ullrich wird hinter Armstrong und Basso Tour-Dritter, das Team gewinnt durch Winokurow und Guiseppe Guerini drei Etappen sowie erneut die Manschaftswertung. Godefroot übergibt die Teamleitung an Ludwig.
2006: Einen Tag vor Tour-Beginn werden Ullrich, sein Betreuer Rudy Pevenage und Oscar Sevilla suspendiert, da sie möglicherweise in die Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt sind. Allen drei wird noch während der Tour gekündigt. Dennoch wird Klöden wird als neuer Kapitän Tour-Dritter, Matthias Kessler und zweimal Sergej Gontschar sorgen für Etappensiege. Ludwig wird als Teammanager vom Amerikaner Bob Stapleton abgelöst, Rolf Aldag als Sportdirektor verpflichtet.
2007: Durch das Buch des früheren Telekom-Masseurs Jeff D'hont kommt die Doping-Vergangenheit des Rennstalls ans Licht. Geständnisse der Fahrer Bert Dietz, Christian Henn, Bölts, Aldag, Zabel und Riis sowie der Freiburger Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid folgen. Trotz eines neuen Kontrollnetzes werden mit Lorenzo Bernucci und Patrik Sinkewitz zwei T-Mobile-Profis 2007 des Dopings überführt, Sergej Gontschar wird wegen auffälliger Blutwerte entlassen.
Der Sponsor gibt dennoch einen Tag vor dem Start der Deutschland-Tour bekannt, den Vertrag bis 2010 erfüllen zu wollen, behält sich aber den Ausstieg vor. Die Sinkewitz-Aussage, wonach noch 2006 systematisch im Team gedopt wurde, führt dann zum Entschluss, das Engagement zu beenden
Text: FAZ.NET mit sid
Bildmaterial: ddp