22. Mai 2007 Nach dem Dopinggeständnis des ehemaligen Radprofis Bert Dietz hat die Freiburger Universitätsklinik am Dienstag die beiden schwer belasteten Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid vom Dienst freigestellt. Sie sollen nach übereinstimmender Darstellung von Dietz und dem früheren Pfleger Jef D‘hont das Blutdopingmittel Eyrthropoeitin (Epo) 1995 beim damaligen Bonner Profiradrennstall Telekom eingeführt und verabreicht haben. Die Klinik hatte nach ersten Beschuldigungen durch D‘hont schon vergangene Woche eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Vorwürfe zu prüfen. Für beide Ärzte gelte die Unschuldvermutung, sagte Professor Matthias Brandis, Leitender Ärztlicher Direktor der Klinik.
Der Bonner Radrennstall, inzwischen in T-Mobile umbenannt will die Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik bei der medizinischen Betreuung seiner Radprofis zum Jahresende beenden. Das kündigte Christian Frommert, Chef der Sportkommunikation des Telekom-Konzerns, an. Ob das Unternehmen sein Sponsor-Engagement im Radsport überhaupt fortsetzt, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Eine Garantie gebe es dafür nicht, sagte Frommert.
Auch Christian Henn gesteht
Zur Disposition steht der Sportdirektor des Teams T-Mobile, Rolf Aldag. Er war, wie auch die Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis und Jan Ullrich, in den neunziger Jahren für das Team Telekom gefahren, als angeblich Epo, Wachstumshormon und andere Medikamente als leistungsfördernde Mittel missbraucht wurden. Dietz gab an, er habe um seine Existenz als Berufssportler gebangt und sich deshalb unter Druck gesetzt gefühlt, die Mittel zu spritzen. Ob die damaligen Verantwortlichen des Telekom-Konzern die Dopingpraktiken kannten, tolerierten oder gar unterstützten, wurde nicht deutlich. In Christian Henn, heute Sportlicher Leiter beim Team Gerolsteiner, bestätigte am Dienstag ein weiterer ehemaliger Telekom-Fahrer alle Aussagen von Dietz. Auch Henn legte ein Geständnis ab.
Eine General-Amnestie für geständige Dopingsünder lehnt Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, ab. Man sollte eher die Möglichkeit von Strafreduzierungen nutzen, die der Code der Welt-Anti-Doping-Agentur für Kronzeugen vorsehe, sagte Bach. Ein solche Vorgehen müsse zudem international abgestimmt werden, ein deutscher Alleingang sei nicht sinnvoll. Die Amnestie hatte Dietz schon bei seinem Auftritt in der ARD am Montag vorgeschlagen. Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Danckert (SPD), griff dies auf. Wir können den Dopingsumpf nur trockenlegen, wenn die Aktiven reinen Tisch machen und alle belastenden Dinge freimütig einräumen“, sagte er.
Appell an Ullrich
Wer ein umfassendes Geständnis ablegt und sich an der Aufklärung beteiligt, muss die Chance für einen Neuanfang im dann dopingfreien Radsport erhalten. Aufgerufen seien auch Manager, Trainer, Betreuer sowie Sportfunktionäre, ihr Wissen über die kriminellen Machenschaften bekannt zu geben, sagten Danckert und Bach übereinstimmend. Danckert erwartet nach dem Geständnis des Radprofis Dietz vom Bund Deutscher Radfahrer und vom Deutschen Olympischen Sportbund, schnellstmöglich die Voraussetzung für ein Amnestie-Panel zu schaffen. Es sollte ein hochkarätig besetztes Gremium sein, in dem neben Vertretern des Sports auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Politik mitarbeiten sollten. Es gelte, national und weltweit mit einem sauberen Radsport von vorne zu beginnen.
Dabei sollten auch andere dopingbelastete Sportarten, wie etwa die Leichtathletik und das Schwimmen, diesen neuen Aufklärungsschub nutzen. Vergangenes Wochenende hatte Danckert Sportarten, die mit dem Doping nicht aufräumten, mit dem Entzug sämtlicher staatlicher Fördermittel gedroht. Der Politiker appellierte abermals an den unter Dopingverdacht stehenden ehemaligen Radprofi Ullrich, sich zu offenbaren: Das langjährige Sportidol Jan Ullrich kann nur gewinnen, wenn er alle Fakten auf den Tisch legt. (Siehe auch: )
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, picture-alliance / dpa