Im Gespräch: Hans Geyer, Dopingforscher

„Anschläge sind extrem simpel“

“Anschläge zu beweisen ist fast unmöglich“

"Anschläge zu beweisen ist fast unmöglich"

24. Juli 2008 Der Hockeyweltverband hat eine spanische Spielerin freigesprochen, obwohl sie beim olympischen Qualifikationsturnier in Aserbaidschan eine positive Dopingprobe abgab. Laut spanischen Medienberichten gilt Anschlag als erwiesen. Im FAZ.NET-Gespräch erklärt Dopingforscher Hans Geyer, wie das möglich ist und warum Sportler oft zu sorglos sind.

Herr Geyer, wie üblich ist so ein Freispruch trotz Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln?

Vor einigen Jahren gab es solche Urteile mal, als erstmals verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel auftauchten. Strafen dürfen allerdings nur aufgehoben oder abgemildert werden, wenn es sich um sogenannte „Specified Substances“ handelt – oder wenn der Athlet den schwierigen Beweis erbringt, dass er die Substanz unverschuldet und auch nicht fahrlässig aufgenommen hat.

Wie können sich sabotierte Sportler verteidigen?

Hans Geyer, Dopingforscher: “Athleten und Verbände nehmen das Thema auf die leichte Schulter“

Hans Geyer, Dopingforscher: "Athleten und Verbände nehmen das Thema auf die leichte Schulter"

Anschläge zu beweisen ist fast unmöglich. Man muss sich davor schützen, das ist viel wichtiger, etwa indem man Getränke nicht unbeobachtet lässt. Viel zu viele Sportler und Funktionäre machen den Fehler, Anschläge als „absolut undenkbar“ abzutun.

Sie rechnen seit langem mit Doping-Anschlägen. Warum?

Weil es extrem simpel ist und weil Athleten und Verbände das Thema auf die leichte Schulter nehmen. Am meisten gefährdet sind Wettkämpfe, wo siegreiche Teams oder Athleten ja in jedem Fall kontrolliert werden. Und seit ungefähr fünf Jahren sind hochreine Dopingsubstanzen wie Anabolika, Stimulantien, Aromatasehemmer und Beta-2-Agonisten leicht erhältlich, vor allem im Internet über chinesische Pharmafirmen.

Ohne die Fantasie potentieller Nachahmer zu beflügeln: Welche Möglichkeiten gibt es, zu sabotieren?

Am einfachsten geht es über Getränke oder Essen, aber auch indem man Salben mit Dopingsubstanzen versetzt oder die Zahnpasta, wie beispielsweise im Fall von Dieter Baumann vor neun Jahren.

Angenommen, eine Urinprobe wird ausgetauscht, wie die spanische Zeitung „El País“ im Fall einer zweiten Hockeyspielerin suggeriert. Wie lässt sich das nachweisen?

Da gibt es schon Möglichkeiten. Man kann über DNA- und Steroidprofile prüfen, ob die Probe vom Athleten ist oder nicht.

Was hat sich im Umgang mit positiven Proben verändert?

Tendenziell wird nicht mehr in jedem Fall die Höchststrafe verhängt. Strafminderung erlauben vor allem „Specified Substances“ in Haarwuchsmitteln oder Medikamenten, wenn sie nachweislich nicht mit der Absicht zum Dopen eingenommen wurden.

Steht nicht zu befürchten, dass auch „echte“ Dopingsünder sich auf Sabotage berufen?

Das haben wir häufig erlebt. Der Beweis gelingt aber schon im Fall eines tatsächlichen Anschlags fast nie – ihn vorzutäuschen wäre noch schwieriger.

Die Fragen stellte Niklas Schenck



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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