15. Februar 2008 In die Bekämpfung des international vernetzten Dopings kommt anscheinend wieder Bewegung. Die Wiederaufnahme des Verfahrens der Operación Puerto in Spanien - die bislang vor allem den Profiradsport betroffen hat - sowie eine Strafanzeige wegen Versicherungsbetrugs und möglicherweise weiterer Delikte in Wien beschäftigt Justiz, Politik und Sport.
Eine Berufungskammer in Madrid beschloss die Wiederaufnahme des Verfahrens und ermöglicht damit für den Weg vor Sportgerichte, selbst wenn gedopte Athleten nicht gegen spanische Gesetze verstoßen hätten. Dies ist ein begrüßenswertes Signal, sagte Thomas Bach als Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Wir gehen nach Vorgesprächen mit Sportminister Jaime Lissavetzky davon aus, dass die Dokumente nun schnell und in vollem Umfang zur Verfügung gestellt werden, damit die Sportinstanzen ihre Arbeit aufnehmen können. Dies gelte auch für die von ihm geleitete Disziplinarkommission in Bezug auf Olympiateilnehmer. Damit wurde dem Einspruch des spanischen Sportministeriums, der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), des IOC und des Internationalen Radsportverbandes (UCI) stattgegeben.
Hinweise auf Fußballstars und prominente Tennisspieler?
Als Verfahrensbeteiligte erhalten sie Zugang zu allen Unterlagen einschließlich der rund zweihundert beschlagnahmten Blutbeutel. Jetzt können wir DNA-Abgleiche vornehmen lassen und damit das letzte Glied in der Indizienkette schließen, sagte Wada-Chefjurist Olivier Niggli. Ein derartiger Abgleich hatte Anfang April 2007 im Fall Jan Ullrich durch die Bonner Staatsanwaltschaft den Nachweis erbracht, dass dessen Blut bei dem Arzt Eufemiano Fuentes deponiert war. Bislang war diese Möglichkeit jedoch den Sportorganisationen verschlossen. Ullrich, der seine Laufbahn beendet hat, bestreitet wie viele andere genannte Sportler weiter jede Manipulation.
Bislang wurden nur die Radprofis Ivan Basso (Italien) und Jörg Jaksche (Ansbach) nach Geständnissen gesperrt. Insgesamt werden in den rund sechstausend Seiten umfassenden Akten jedoch über fünfzig Radprofis als Fuentes-Kunden aufgeführt, zumeist über Codenamen. Zu ihnen sollen der Spanier Alberto Contador, Toursieger 2007, sowie Olympiasieger Tyler Hamilton aus den Vereinigten Staaten zählen. Zudem kursieren Gerüchte, wonach die Ermittler in den Fuentes-Papieren auch Hinweise auf Fußballstars und prominente Tennisspieler gefunden hätten.
Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Operacion Puerto war Anfang Mai 2006 angelaufen. Am 12. März 2007 waren die Akten von Richter Antonio Serrano mit dem Hinweis geschlossen worden, es sei zwar zweifelsfrei Doping betrieben, jedoch nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen worden. Dem widersprach nun die Berufungskammer unter Hinweis auf die Möglichkeit unsachgemäßer Blutwäsche, was laut Gesundheitsgesetz zu ahnden wäre. Gleichzeitig stellte sie aber klar, dass von staatlicher Seite in diesem Fall nur gegen die Ärzte Fuentes und Merino Batres weiter zu ermitteln sei. Die Athleten selbst seien nur durch Sportgerichte zu sanktionieren.
Die Wiener Staatsanwaltschaft hat indes Ermittlungen aufgenommen, nachdem beim Bundeskriminalamt in Wien in dieser Woche eine anonyme Strafanzeige eingegangen ist. Darin werden mehrere Ärzte sowie etwa dreißig österreichische und ausländische Sportler, mehrheitlich aus der Ausdauerszene, des Blutdopings und des Versicherungsbetrugs beschuldigt. Die Tiroler Tageszeitung hatte am Donnerstag von einem möglichen Betrug seit dem Jahr 2000 berichtet. Als 2006 durch Ermittlungen wegen des österreichischen Dopingskandals bei den Olympischen Winterspielen in Turin dieses Betrugssystem von der Enttarnung bedroht worden sei, habe man unter neuem Namen an einem anderen Ort weitergemacht. Schon im Januar war das Wiener Unternehmen Humanplasma als Zentrum eines möglichen Blutdoping-Skandals in die Schlagzeilen geraten - potentielle Kunden, hieß es, sollen auch deutsche Wintersportler gewesen sein. Die Vorwürfe ließen sich jedoch nicht erhärten.
Bach warnte nun vor neuerlichen Vorverurteilungen: Anonyme Beschuldigungen sind unzulässige Spekulationen. Man stehe in engem Kontakt mit den österreichischen Behörden, nach deren Aussage es keinerlei neue Informationen bei den Ermittlungen gebe. Der österreichische Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka nannte gegenüber der Tiroler Tageszeitung einen möglichen Grund dafür, dass die Ermittlungen bislang nicht weitergekommen sind: Auch die grundsätzliche Situation in Österreich spielt hier mit rein: Sport liegt in der Länderkompetenz, der Bund kann sich nur über den Umweg Gesundheit, Gewerbe, Justiz und Inneres damit befassen. Dass die Strafanzeige auf die genannten Bundeszuständigkeiten zielt, ist bestimmt kein Zufall. Es sieht so aus, als wolle ein Kenner verhindern, dass die Affäre unter den Teppich gekehrt wird.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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