Radsport

Der BDR und die Doping-Ärzte

Von Thomas Purschke, Chemnitz

07. Juli 2008 Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) kommt aus der Doping-Falle offenbar nicht heraus. Vor einem Jahr hatte die ARD über zwei dopingbelastete DDR-Sportärzte berichtet, die bei der „Erzgebirgsrundfahrt“ im Juni 2007, einem U 23-Rad-Bundesligarennen nahe Chemnitz, Dienst taten, als Rennarzt und als Anti-Doping-Arzt. Der BDR hatte danach mitgeteilt, dass er „allen Vereinen und seinen Landesverbänden empfohlen“ habe, die beiden Ärzte nicht mehr zu beschäftigen.

Es ging dabei um den Mediziner Heinz Löbl, zu DDR-Zeiten lange für die Bahn-Rad-Nationalmannschaft zuständig; ihm wird von einem dopinggeschädigten früheren Athleten des Sportclubs Turbine Erfurt, Uwe Trömer, vorgeworfen, ihm in der DDR Doping-Spritzen verabreicht zu haben. Zweiter beteiligter Arzt war Roland Müller, der in der DDR die Doping-Vergabepraxis im gesamten Radsport lenkte und zudem ein Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter war, Deckname „Egon Miethe“.

Einsatz von Löbl spreche „eindeutig gegen die Glaubwürdigkeit des BDR“

Beim diesjährigen U23-Bundesligarennen, der vor kurzem ausgetragenen 29. „Erzgebirgsrundfahrt“, war der Chemnitzer Heinz Löbl als Rennarzt wieder im Einsatz. Roland Müller (Heidenau) war auch vor Ort, wurde aber nicht aktiv. Der anwesende Beauftragte des BDR, Walter Röseler aus Kleinmachnow, verweigerte zum neuerlichen Einsatz von Löbl eine Stellungnahme. Auch Löbl selbst war nicht bereit, sich zu äußern.

Für den durch das DDR-Staats-Doping gesundheitlich dauerhaft beeinträchtigten 46-jährigen Trömer spricht der Einsatz von Löbl in diesem Jahr „eindeutig gegen die Glaubwürdigkeit des BDR und seines Präsidenten Scharping“. Trömer hat mehrfach das Büro Scharpings beim BDR kontaktiert und auf belastete DDR-Doping-Ärzte hingewiesen.

„Der BDR verletzt seine eigenen Vorgaben“

Ende Juni 2007 hatte BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer erklärt, dass der Verband damit beschäftigt sei, ein lückenloses Netz von integren Ärzten zu schaffen, die bei Veranstaltungen bundesweit eingesetzt werden. Scharping hat vielfach bekundet, dass der Radsport sich dem Doping-Problem „mit aller Konsequenz und mit aller Härte“ stelle und entschlossen sei, „alle loszuwerden, die seine Glaubwürdigkeit und seine Sauberkeit auch nur berühren“.

Der sportpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann, kritisierte den Einsatz Löbls bei dem BDR-Rennen: „Das ist eine regelrechte Sauerei und völlig inakzeptabel. Der BDR verletzt seine eigenen Vorgaben.“ Für Hermann ist dies „ein weiterer Beleg für eine unglaubwürdige Verbandspolitik des BDR im Anti-Doping-Kampf“. Er forderte deshalb das Bundesinnenministerium abermals auf, die Sperrung und Rückforderung von Fördergeldern für den BDR zu prüfen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

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