04. Mai 2008 Ein wiedererstarkter Andreas Klöden bei der Tour de Romandie, dazu die überraschende Giro-Einladung: der einstige Skandal-Rennstall Astana scheint im Radsport wieder Fuß zu fassen. Unterdessen zeichnen sich nach der ersten Auswertung von Blutprofilen durch den Weltverband UCI neue Doping-Skandale ab. 23 Fahrer sind offenbar aufgefallen, gegen einen namentlich nicht genannten Topfahrer sollen sogar Ermittlungen eingeleitet werden.
Für die sportlichen Schlagzeilen des Wochenendes sorgte Klöden. Der Tour-Zweite von 2004 und 2006 zeigte mit dem Sieg bei der anspruchsvollen Rundfahrt in der Schweiz seine Klasse und gehört damit zum Favoritenkreis beim am Samstag beginnenden Giro d 'Italia, für den das kasachische Team am Wochenende doch eine Startberechtigung erhielt.
Klöden: Ich bin ein großer Rundfahrer
Dagegen muss das Team Milram bei der ersten dreiwöchigen Rundfahrt in diesem Jahr auf seinen Starsprinter Alessandro Petacchi verzichten. Der 34 Jahre alte Italiener, der in seiner Karriere bereits 24 Giro-Etappen gewann, klagt über eine schwere Bronchitis. Zudem erwartet Petacchi in den nächsten Tagen das Urteil des Obersten Sportgerichtshofes (Cas ) zu einer möglichen Doping-Sperre.
Wenn der Giro-Tross am 10. Mai in Palermo auf die Strecke geht, trifft Milram-Fahrer Erik Zabel wohl in Klöden einen alten Bekannten wieder. Das ist brilliant, ich würde gerne starten. Der Giro ist eine große Rundfahrt und ich bin ein großer Rundfahrer, sagte der Wahl-Schweizer Klöden am Rande der Romandie-Rundfahrt, die er beherrscht hatte.
Astana plant offenbar mit stärkstem Aufgebot
Seine starke Form hatte sich schon bei dessen Erfolg im Einzelzeitfahren am Freitag in Sion angekündigt. Danach ließ er sich am Samstag nicht mehr abschütteln, zudem musste sein größter Rivale Thomas Dekker (Niederlande) aufgeben. Den Sieg auf der Kletterpartie mit vier Bergen der ersten Kategorie hatte sich Gerolsteiner-Profi Francesco de Bonis geholt. Die Schlussetappe am Sonntag gewann der Italiener Daniele Bennati.
Am Sonntag hatten die Giro-Veranstalter dem dopingbelasteten Rennstall Astana die Starterlaubnis erteilt, nachdem der Mannschaft um den umstrittenen Tour -Sieger Alberto Contador (Spanien) im Februar noch die Teilnahme verweigert worden war. Ja, ich habe Contador eingeladen, bestätigte Giro-Chef Angelo Zomegnan. Astana will offenbar mit Klöden, Contador und Levi Leipheimer sein stärkstes Aufgebot in Italien an den Start schicken. Damit ist dem Rennstall ein erster Schritt bei der Rückkehr zu einem vollwertigen Team gelungen. Astana war zuvor sowohl vom Giro-Veranstalter RCS als auch von der Tour-Organisation ASO für die Doping -Vergehen aus dem Vorjahr mit der Nichtberücksichtigung abgestraft worden. So durfte das Team unter anderem bei Mailand - San Remo, Paris - Nizza, Lüttich - Bastogne - Lüttich nicht starten und wird auch bei der Tour de France fehlen. Die ASO steht weiter zu ihrem Ausschluss.
UCI-Präsident zu Verdachtsfällen: Das ist normal
Hatte Astana im vergangenen Jahr den Radsport mit einigen Doping-Fällen (Alexander Winokurow, Andrej Kaschetschkin, Matthias Kessler) schwer in Verruf gebracht, kündigen sich nun die nächsten Skandale im Zuge der Einführung des Gesundheitspasses an. Wie die UCI mitteilte, wurden bei 23 Fahrern anhand des Anfang des Jahres eingeführten Passes abnormale Werte festgestellt. Disziplinarische Maßnahmen hat dies größtenteils wohl zunächst nicht zur Folge, allerdings müssen die betroffenen Fahrer damit rechnen, dass sie verstärkt und gezielt kontrolliert werden.
Namen nannte die UCI dabei nicht. UCI-Präsident Pat McQuaid spielte die Anzahl der verdächtigen Fälle herunter. Das ist normal bei der großen Anzahl an Tests, sagte der Ire, dem der Anti-Doping-Kampf vor allem in Deutschland viel zu weit geht. Das ist in Deutschland eine große Medienshow geworden. Die Deutschen sind über das Ziel hinausgeschossen, sagte McQuaid der Nachrichtenagentur Reuters.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa
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