Kampf gegen Doping

Franke: Strafanzeige gegen Springstein

21. September 2007 Werner Franke will am Montag Strafanzeige gegen den ehemaligen Trainer Thomas Springstein erstatten - 18 Monate nach dessen Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in einem besonders schweren Fall zu 16 Monaten Haft wegen Dopings; das Urteil war zur Bewährung ausgesetzt worden. Der Naturwissenschaftler und Dopingbekämpfer aus Heidelberg will die Entscheidung des Amtsgerichtes Magdeburg vom März 2006 mit neuen Unterlagen und neuen Erkenntnissen angreifen, wie er sagte.

Das Urteil basiere auf einem Deal, welcher das Ziel hatte, die Zeugen in weiteren 14 Fällen von Doping nicht aussagen zu lassen, sagte Franke am Donnerstag in Berlin. Dort stellte er mit dem „Spiegel“-Reporter Udo Ludwig sein Buch „Der verratene Sport“ vor. Nach Überzeugung Frankes schreiben die letztinstanzlichen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in den Fällen der DDR-Sportärzte Pansold und Höppner sowie des DDR-Sportchefs Manfred Ewald bei Doping von Frauen und Mädchen mit virilisierenden Hormonen die Verurteilung wegen Körperverletzung oder versuchter Körperverletzung vor.

Franke: Unfähigkeit und Unwillen

Springstein gab zu, der minderjährigen Sprinterin Anne-Kathrin Elbe das Testosteronprodukt Andriol gegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft sprach, bevor sie die Einstellung des Verfahrens beantragte, von der Spitze eines Eisberges, die dieser Fall darstelle.

Franke warf dem Sport generell Unfähigkeit und Unwillen vor, mit Doping aufzuräumen. Sein Buch solle einige Fälle belegen und ergänzt werden um Dokumente, die der Verlag Zabert Sandmann im Internet veröffentliche. Am Donnerstag waren dort Teile der Übersetzung des Berichts der Guardia Civil über die „Operación Puerto“ gegen den des systematischen Blutdopings verdächtigten Arztes Eufemiano Fuentes zu finden; außerdem die Liste der bei Fuentes beschlagnahmten Substanzen sowie Kopien von Aufzeichnungen des Doktor Fuentes. Vernehmungsprotokolle und Prozessakten sollen folgen.



Text: mr., F.A.Z., 21.09.2007, Nr. 220 / Seite 34
Bildmaterial: dpa

 
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