
Nada-Vorstandsboss Armin Baumert: „Wir haben die Olympiavorbereitung auf Peking begleitet durch ein präzises, engmaschiges Kontrollsystem”
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) baut aus, baut um, baut auf. Vor der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2007 im Bonner Haus der Geschichte wurde nebenan am Sitz der Nada eine symbolische Grundsteinlegung begangen; die Agentur erhält weiteres Personal, 18,5 Planstellen werden es sein, deshalb braucht sie mehr Platz: Der Garten des alten Hauses wird überbaut.
Die Stichworte Umbau und Ausbau gelten auch für das Kontrollsystem und für die Prävention: Es gibt inzwischen, wie die Nada es nennt, intelligentere Tests. Nachwuchssportler, deren Eltern und Trainer sollen zudem früh und intensiv über Versuchungen und Gefahren aufgeklärt werden.

Der harte Kurs der Nada im Fall des Eishockey-Nationalspielers und Testverweigerers Florian Busch hat Anerkennung gebracht
Wir sind als nationales Kompetenzzentrum etabliert, auch in der Forschung, sagte Michael Hölz, der Vorsitzende des Nada-Kuratoriums. In diesem Jahr hat seine Organisation einen Gesamtetat von 5,5 Millionen Euro (1,6 Millionen davon fließen weiter an die Anti-Doping-Labore in Dresden und in Köln), das sind 1,7 Millionen Euro mehr als 2007. Um allen Aufgaben, die uns durch die Stiftungssatzung aufgetragen worden sind, gerecht werden zu können, müssten wir irgendwann auf einen Etat von 7,5 Millionen Euro kommen, stellte Hölz fest.
In nicht so ferner Zukunft möchte die Nada auch die Wettkampfkontrollen in Deutschland organisieren, die bisher noch in der Regie der Sportfachverbände stattfinden. 4661 dieser Wettkampftests gab es 2007, mit 62 positiven Proben. Dem standen 4871 Trainingskontrollen (4595 Urin- und erstmals auch 276 Bluttests) in der Verantwortung der Nada gegenüber. Dabei wurden zehn positive Proben festgestellt.
Die Zahl der Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen ist seit 2004 stetig, aber nur leicht gestiegen. Von diesem Jahr an gibt es einen deutlichen Sprung, quantitativ auf 8000 bis 9000. Aber auch qualitativ komme man entscheidend voran, sagte Armin Baumert, der Vorstandsvorsitzende der Nada. Die Agentur hat Schwerpunkte für ihre Kontrollen erarbeitet, zielt stärker auf bestimmte Sportlergruppen in besonders anfälligen Sportarten.
So entfallen rund 6000 Kontrollen auf einen Kreis von 1500 Spitzenathleten. In Ausdauerdisziplinen werden auch Blutprofile erstellt. Unter den übrigen 4500 bis 5500 deutschen Kaderathleten werden nur etwa 2500 Kontrollen vorgenommen.
Wir haben die Olympiavorbereitung auf Peking begleitet durch ein präzises, engmaschiges Kontrollsystem sagte Baumert, und er wagte eine provokante These: Zwei Drittel der Athleten, die in Peking an den Start gehen, werden nicht so nachhaltig kontrolliert sein. Etwa sechzig Länder seien in der Lage, auf einem mit Deutschland vergleichbaren Niveau Dopingtests in der Trainingsphase vorzunehmen. Es ist ein Kampf, der Geduld erfordert, stellte Baumert fest.

Der neue Nada-Geschäftsführer Göttrik Wewer (r., im Gespräch mit Innen- und Sportminister Wolfgang Schäuble): "Ich kenne die Nada und auch ihre Geburtswehen"
Mittelfristiges Ziel müsse es sein, in so vielen Ländern wie möglich west- und nordeuropäische Verhältnisse zu erreichen. Andere Kontinente seien beim Aufbau von einheitlichen Kontrollsystemen und Sanktionskatalogen noch lange nicht so weit. Der deutschen Sportpolitik trug der Nada-Führungsmann auf, die Leistungssportförderung abzugleichen mit der ungleichen Konkurrenzsituation im Weltsport. Der Deutsche Olympische Sportbund wird kluge Entscheidungen treffen, sagte Baumert.
Als früherer Leichtathlet äußerte er aber eine persönliche Vorstellung: Wir müssen wegkommen von nicht erreichbaren Normen. Die nationalen Hürden für die Qualifikation zu einem Großereignis müssen realistisch sein. Von der Bundespolitik, die neben den Ländern, der Wirtschaft und dem Sport zu den Finanziers der Nada gehört, fühlt sich die Agentur stärker denn je anerkannt.
Beigetragen hat dazu die Neuordnung nach den Kontrollpannen bis 2006, vor allem aber auch ein Vorfall in diesem Frühjahr, als nämlich der Eishockey-Nationalspieler Florian Busch dreist eine Kontrolle verweigerte und der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) eine angemessene Strafe nicht verhängen wollte. Die Nada setzte sich im Schulterschluss mit dem Bundesinnenministerium, das dem DEB mit Geldkürzungen drohte, durch. Wir lassen uns von niemandem mehr so herausfordern, sagte Baumert. Es war ein Warnschuss. Die Nada erhält künftig mehr rechtliche Möglichkeiten, gegen uneinsichtige Verbände vorzugehen.
Noch als Gast in Bonn war Göttrik Wewer dabei, er wird zum 1. August neuer Geschäftsführer der Nada. Der 54 Jahre alte Wewer war zuletzt als Staatsrat beim Senator für Inneres und Sport in Bremen tätig und davor als Staatssekretär im Bundesinnenministerium auch mit der nationalen Sportpolitik befasst. Ich kenne die Nada seit ihrer Geburt, und ich kenne auch ihre Geburtswehen, sagte er.
Von Versäumnissen der Vergangenheit war am Donnerstag in Bonn nicht mehr die Rede. Die Nada tritt in eine neue Ära ein, sagte Hölz. Die Agentur hält ihre Abschreckungswirkung für groß: Es sei schwieriger geworden, hemmungslos zu dopen. Das sei jenseits aller Zahlen die wichtigste Nachricht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa, imago sportfotodienst