Kommentar

Verlogener Sport

Spezial Die Doping-Geständnisse der deutschen Radprofis haben die Abgründe eines pervertierten Fernseh- und Showsports aufgedeckt: eines kommerziellen Sports, bei dem Gewinn alles und Ethik nichts zählt. Ein Kommentar von Jörg Hahn.

Lesermeinungen zum Beitrag

23. Mai 2007 16:17

Teil der Gesellschaft

Jens Heyn (J.Heyn)

Der Sport ist Teil der Gesellschaft; wie kann man hier Ehrlichkeit und Sauberkeit erwarten, wenn Politik und Wirtschaft uns täglich betrügen?! Es zählt doch nur Macht und Geld, jeden Tag in der FAZ nachzulesen. Ausgerechnet von einem Leistungssportler anderes zu erwarten ist naiv!

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23. Mai 2007 14:07

Ist Verlogenheit gesellschaftsfähig geworden...?

wolf haupricht (emilgilels)

Diesen Eindruck kann man durchaus bekommen für viele Bereiche des öffentlichen Lebens einschl. Sport.
Das Gebot: "Du sollst nicht lügen" könnte heute lauten:"Du darfst auch lügen, jedoch nicht dabei erwischen lassen."
Das Erwischen wird dann gnadenlos betraft. Hier tun sich die so genannten Moralisten hervor, die in Wirklichkeit Heuchler sind.
Dass im Sport, hier vertreten durch den Radsport, gesündigt wurde und zwar massiv, war auch einem Laien nicht verborgen. Dennoch taten die Beteiligten oder Zuschauer (via FS) so, als ob dies Ausnahmen seien und kein Sumpf.
Nur wer frei ist von dieser "Sünde", werfe den ersten Stein........ Ich glaube nicht, dass welche fliegen (höchstens verbal) und weiter gehts wie zuvor.

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23. Mai 2007 11:43

Tschüss Radsport

Fritz Hirsch (fritzhirsch)

Wenn es nicht bald einen Quantensprung bei den Dopingkontrollen und bei der rechtlichen Aufarbeitung des Radsportsumpfes (inklusive Anreize für schonungslose Aufklärung) gibt, wird es in Zukunft nur noch einen untrüglichen und preisgünstigen Lackmustest für Doping geben: den Gewinn eines Rennens.

Mich interessiert der Radsport schon lange nicht mehr.

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23. Mai 2007 11:41

Der Zweck heiligt eben die Mittel

Angelika Fritz (MyDocAngel)

Lieber Jörg Hahn, wo, bitte schön ist Gewinn nicht alles und Ethik nichts?
Nennen Sie mir nur einen einzigen Bereich - besonders dort, wo es ethisch aussieht - moralisch - besonders dort ist der Gewinn alles - angefangen von Kirchen bis zu fast allen gemeinnützige weltlichen Organisationen.

Das ist wie die "Lerchenpastete". Lerchenpastete? Aber dafür müssten doch sehr viele Lerchen getötet werden. Nun, das kommt auf das Mischungsverhältnis an: Ein Elefant /eine Lerche.

Wieviel Prozent der gemeinnützogen Gelder erreichen wirklich ihren Zweck? Welche Mittel werden sanktioniert, um an das Geld heranzukommen?
Eben: Der Zweck(Gewinn) heiligt die Mittel - schade drum, aber sicher der Norm entsprechend.

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23. Mai 2007 11:30

Brot und Spiele...

Claus-Jürgen Junglas (cucky)

Was die Menschheit seit jeher angetrieben hat war die Gier nach Macht und Anerkennung. Dafür sind viele Menschen bereit alles tun. Wer glaubt, dass dazu Geld benötigt wird irrt!

Die modernen Medien ermöglichen die imaginäre Teilnahme an Großereignissen jeder Art. Siege oder Niederlagen üben eine große Faszination aus und vernebeln den Blick auf die eigentlichen Wahrheiten. So funktioniert unsere Welt - im Großen wie im Kleinen.

Wenn nun der "moralische" Druck auf den Sport zunimmt und wir uns nun intensiv diesem Thema beschäftigen, sollten wir doch im Hinterkopf behalten, dass dies nur ein Randaspekt eines umfassenden gesellschaftlichen Problems ist.

Ich brauche keine Helden. Sport ist sowieso am schönsten, wenn man ihn selbst betreibt.

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23. Mai 2007 11:22

Verlogener Sport

T. Stein (Stein100)

Jan Ullrich hat schon fast gebetsmühlenartig wiederholt, dass er ja "... niemanden betrogen" hat. Ich habe das immer schon als Eingeständnis verstanden und als Hinweis auf die Selbstverständlichkeit des Dopings im Radsport.

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23. Mai 2007 11:06

Sport im Gegensatz zu unserer Gesellschaft

Christian Penninger (cpxy)

Nein, überraschen tut es nicht das so viel im Sport betrogen und gelogen wird. Sind ja auch nur Menschen - warum sollten die einen also Steuern hinterziehen, andere alkoholiker sein aber ihrer Familie immer eine heile welt vorgaukeln, Politiker ihre Versprechen nicht halten, aber Sportler fair sein?

Vielleicht weil gerade das den Sport aus macht - es ist ein Wettkampf unter gleichen, es soll ja gerade "herausgefunden" werden wer der bessere ist. Die fairness, wie auch beim Schachspiel, ist einfach grundlegend.

Sich als Teammitglied damit rauszureden man hätte sonst seinen Job verloren ist ein witz. Ich weiss nicht wie dopende sportler noch in den Spiegel schauen können - vor allem die, die gewonnen haben!

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23. Mai 2007 10:55

Sport

Erhard Grund (ErhGrund)

Der Zuschauer will glorreiche Helden sehen: Männer, die die unglaublichsten Berganstiege hochradeln, als hätten sie statt Muskeln einen Motor eingebaut. Wer da noch an Mutter Natur als alleinigen Antrieb glaubt oder jetzt empört tut, dem ist nicht zu helfen. Und das gilt auch für Journalisten und Funktionäre. Gerade diese Leute sollten es schon besser wissen.

Doping ist doch nur deshalb ein Thema, weil es halt verboten ist. Andere pharmazeutische Hilfen gibts aber trotzdem und sind erlaubt. Damit alleine läßt sich aber nichts gewinnen. Da ist doch einsichtig, wenn sich die Sportler helfen, wo sie können. Gebt den Kram halt frei und alle sind zufrieden.

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23. Mai 2007 10:50

Abschalten?

Tobias Eder (16061904)

Ich denke auch, wie es hier nun schon des öfteren geäußert wurde, dass ein "sauberer Sport" im Profibereich einer Utopie gleichkommt. Im Sinne irgendeines abstrakten Fairnessgedankens die Forderung nach Freigabe von "medizinisch vertretbaren leistungsunterstützenden Mitteln" zu stellen, bringt uns in dieser Dopingdebatte allerdings nicht weiter, verschiebt höchstens die Grenzen des Erlaubten und Verbotenen. Es werden sich immer wieder Fahrer finden, die auch zu letzterem bereit sind.
Was auffällt ist auch, dass den Fahrern nun auch langsam die Opferrolle zugesprochen wird. Der Fahrer macht das, was seine Mannschaft, sein Rennstall von ihm fordern, um nicht seinen Platz zu verlieren. In diesem großen Zusammenhang noch den Zuschauer vor dem Fernseher als Opfer zu bezeichen, klingt fast schon lächerlich. Die meisten wollen nur und ausschließlich spektakuläre Rennen sehen und bekommen diese auch zu sehen.
Am Ende werden diese Rennen genauso lange von gedopten Fahrern bestritten wie es dauert, zuverlässige Nachweise zu entwickeln. Freiwillige Ehrlichkeit kann es und wird es in diesem Geschäft niemals geben. Zu viel steht auf dem Spiel.
Wer das nicht will, schaltet ab.

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23. Mai 2007 10:16

Wer nichts ändern will,...

Jörg Gondermann (joeyyy)

Selbst angesehene Rad-Legenden wie Rudi Altig haben zugegeben, schon immer gedopt zu haben. Anders hätten die Besten der Besten nicht gewinnen können. Und alle hätten es schon immer gewusst.

Das ist zunächst frustrierend.

Vielleicht sollte Doping legalisiert werden - dann sterben die Viel-Doper halt weg und die Wenig-Doper kämpfen um die Kronen. Das Publikum wüsste, dass gedopt wird, die Pharma-Industrie könnte endlich mit Doping-Präparaten werben: "Die Tour de France wird Ihnen präsentiert von BAYER Medical Care - Leistung vom Anfang bis zum bitteren Ende - Ihrem Ende!"

Wussten Sie, dass bei den tausenden von Volksläufen in Deutschland rund die Hälfte der Teilnehmer wegen Dopings rausgenommen werden müssten?

Lassen Sie uns diese Menschen von ihrem schlechten Gewissen befreien und Doping legalisieren.

Sportliche Grüße!

Ach ja, noch was zum Nachdenken und zu den Äußerungen der Herren Ullrich und Voigt: Wer nichts ändern will, liefert Begründungen - wer etwas ändern will, liefert Vorschläge und Lösungen...

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23. Mai 2007 10:05

angeblich Sport

Klaus Steffen (krs)

Ich höre und lese immer nur Sport. Merkwürdig.
Solange man nicht aufhört, bei bezahlter Tätigkeit von Sport zu reden, wird der "Sport" zum Abschrecker schlechthin.

Bezahlter "Sport" ist per se nicht nur ein Teil des Wirtschaftslebens, sondern dazu noch hochgradig kriminell. Kriminellen Wirtschaftsunternehmen aber, wird in der Regel die Bude zugemacht. Es gibt keinen Unterschied in der Bewertung des Betrugs.

Egal, ob es sich um den Müll in Neapel, oder um den vermeintlichen "Sport" handelt: Immer bewirken mafiöse Strukturen daß Nutzer oder Zuschauer als die Gelackmeierten dastehen und die Mafiabosse das große Geld absahnen.

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23. Mai 2007 10:00

Auch diese Diskussion ist verlogen: Dopingdebatte auf ehrlicher Grundlage führen

Michael Klarner (mkl-bln)

Es ist ihrem Autor Jörg Hahn zuzustimmen: Der Hochleistungssport basiert heutzutage leider im wesentlichen auf der Verabreichung sogenannter "unterstützender Mittel".

Allerdings-auch dies ein Aspekt einer verlogenen Diskussion-muss diese Diskussion mit globalem Blick geführt werden.

Wer glaubt,dass ein Sportler heutzutage einen olympischen Endlauf im 100-m-Lauf ohne unterstützende Mittel erreichen könnte,ist bodenlos naiv.Wer glaubt, dass die ehemaligen, von gedopten DDR-Frauen und Männern aufgestellten Weltrekorde im Schwimmen oder in der Leichtathletik ohne Dopingmittel gebrochen werden konnten,dem ist nicht zu helfen.Wer tatsächlich glaubt, dass die Tour de France sauber gewonnen werden könnte, ist töricht.

Das gesamte weltweite System des Spitzensports ist seit spätestens Mitte der siebziger Jahre auf Betrug gebaut.

Eine ehrliche Doping-Diskussion auf nationaler Ebene führen, bedeutet auch Abschiednehmen von eigener Verlogenheit. Dies gilt für Journalisten,die gerne über Sieger und Rekorde schreiben;dies gilt für ein staatliches Fördersystem, welches allein das Erreichen der absoluten Weltspitze sich zum Ziele setzt. Dies gilt auch für eine Öffentlichkeit, die ausschliesslich Siegern huldigt.

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23. Mai 2007 09:30

Verlogenheit

Rüdiger Kimpel (rkimpel)

Verlogenheit ist hier tatsächlich an alle Fronten im Spiel, aber sicherlich nicht bei der Telekom, bei den Sponsoren oder den Radfahrern.

Es ist die breite Öffentlichkeit - also wir - und die Medien, die es vermarkten. Glauben wir denn allen Ernstes, dass uns ein Altherren-Radsport Event mit durchschnittlichen Erfolgen a la Altagssport interessieren würde - uns das Publikum - nein. Also warum sollten die Medien dann darüber berichten und warum sollte ein Sponsor hier Geld investieren.

Es geht um Höchstleistung - um das Herausragende - ja, um das fast Unmögliche - und das verlangt nun einmal dem Menschen - nämlich dem Sportler Höchstleistung ab. Das der Sponsor Bestleistungen und Rekorde erwartet, ist doch klar. Warum soll er sonst Geld geben? Dass der Sportler hier dann auch die Medizin um Unterstützung bittet, ist doch auch klar, um seinen Körper auf die Höchstleistung vorzubereiten.

Soweit der Part. Nun müssen wir doch auch nicht glauben, dass es eine dopingfreie Welt geben wird. Solange wir nämlich Höchstleistungen haben wolen, wird es Medien geben, die darüber berichten und Sponsoren, die den Sportlern die Möglichkeit geben, diese Rekorde zu erzielen - und damit auch medizintechnische Unterstützung, die das optimiert.

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23. Mai 2007 08:58

pharisäerhaft

Niels-Christian Otzen (nco)

Es kommt einem schon komisch vor, wenn aus dem Medienwald der Ruf nach mehr Ethik ertönt, denn der gesamte Sportjournalismus lebt nun einmal von den Erfolgen, Rekorden und letztendlich den Dramen und Enthüllungen, über die jetzt im Brustton der Entrüstung geschrieben wird.
Bei den Akteuren von "Brot und Spielen" gilt keine andere Ethik als bei denjenigen, die sich das ansehen.
Mittel zur Leistungssteigerung sind gesellschaftlich nicht erst seit Neuem vollständig akzeptiert. Wer redet davon, dass sich jemand durch die Einnahme von Viagra einen unlauteren Vorteil verschafft hätte?
Wurden nicht vielleicht schon Kriege gewonnen, weil Soldaten gedopt waren?
Und wieso sollte ausgerechnet der Spitzensport, wo es um viel mehr geht, nämlich um Geld, Karriere und Existenzen, ein Reservat "natürlicher" Lebensweise sein?
Aufputschmittel waren vor 50 Jahren bei der Tour de France noch eine Selbstverständlichkeit, das hat die Leistungen der Athleten in keiner Weise geschmälert.
Die Freigabe all dessen, was medizinisch verantwortbar ist, wäre der bessere Weg, denn wenn sich alle auf die Zehenspitzen stellen, schauen auch wieder alle gleich weit.

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23. Mai 2007 08:40

nicht nur im Radsport

Ingo Schmidt (Ingo.S.)

Der Profi-Radsport gehört abgeschafft, soviel ist klar.....
Der Profisport der letzten Jahre hat eine Form angenommen, in der man eigentlich nur noch über die Abschaffung der Dopingtests diskutieren kann um noch ein kleines bischen Glaubwürdigkeit zu bewahren.
Formel-1 Rennfahrer riskieren ihr Leben und verdienen damit ihr Geld.......dann sollte es den Radfahrern auch nochts ausmachen abundzu mal tot vom Fahrrad zu fallen. </sarkasmus>

Kriminell wird die Sache eigentlich erst wenn die Sportler nicht über die Spätfolgen und Gefahren der Medikamente aufgeklärt werden, bzw. von den Mitverantwortlichen in eine Abhängigkeit getrieben werden.

Sehen wir die Sache doch einmal so wie sie ist.

Es gibt keinen Profisport ohne Doping mehr.
Sei es Gewichtheben, Sportschiessen, Leichtatlethik oder Schach.
Es ist so und es wird immer so bleiben........und es wird schlimmer je mehr Geld im Spiel ist.

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