Tour de France

Schreck für Schleck

Von Rainer Seele, Saint Etienne

24. Juli 2008 Neulich hatte sich Johny Schleck noch sehr leutselig gegeben, er war ja auch sehr stolz auf seine Söhne, die Radprofis Frank und Andy Schleck. Frank Schleck hatte zu diesem Zeitpunkt das Gelbe Trikot bei der Tour de France getragen, und Vater Schleck erzählte ausführlich von den Luxemburger Qualitäten im Radsport, von zwei mächtigen Radsport-Dynastien, den Schlecks und den Kirchens.

Am Donnerstag aber hatte er eine sehr unangenehme Begegnung bei der Tour de France. Der französische Zoll hat auf der 18. Etappe offenbar gezielt ein von dem Luxemburger gesteuertes Auto durchsucht. Das Fahrzeug von Johny Schleck wurde etwa 30 Kilometer nach dem Start in Bourg d'Oisans gestoppt, inspiziert und dann per Eskorte von der Strecke geleitet.

Nichts Verdächtiges gefunden

Zuvor war bereits der Wagen eines Journalisten aus Luxemburg angehalten worden, der Mann gilt als ein Freund der Familie Schleck. Er durfte jedoch anschließend weiterfahren. Nach Informationen vom Donnerstagnachmittag haben die Fahnder bei Schleck jedoch nichts Verdächtiges gefunden.

Johny Schleck ist bei der Tour für einen Automobil-Sponsor tätig, er chauffiert Gäste mit VIP-Status und ist im CSC-Saxo-Team offiziell als Chauffeur aufgelistet. Er war selbst einst Radrennfahrer, Schleck nahm achtmal an der Tour de France teil. Bei der Frankreich-Rundfahrt im Jahr 1970 hatte er den 19. Platz belegt - sein bestes Abschneiden bei diesem Rennen. 1973 war Schleck senior Helfer des spanischen Tour-Siegers Luis Ocaña. Der Luxemburger wurde damals als „rechte Hand“ von Ocaña bezeichnet. Schleck nannte sich selbst einen „Wasserträger“.

Empörung in Luxemburg

Frank und Andy Schleck sind ihm auf dem Rad deutlich voraus. Frank Schleck war bei der Tour einige Tage in Gelb gefahren, ehe ihn sein spanischer Teamkollege Carlos Sastre am Mittwoch in L'Alpe d'Huez als Spitzenreiter ablöste. Was dem Mann in Gelb an diesem Tag widerfuhr, rief große Empörung in Luxemburg hervor: Dort betrachtet man Frank Schleck als Opfer der Taktik von CSC-Teamchef Bjarne Riis (siehe auch: Tour de France: Bjarne Riis hat den Schlüssel für den Erfolg). Andy Schleck ist bester Jungprofi bei der Tour; er durfte sich dafür ein weißes Trikot überstreifen.

Erst vor kurzem war der Vater eines anderen Radprofis ins Gerede gekommen: Während des Giro d'Italia wurden in einem Wagen, in dem der Vater des Italieners Andrea Moletta saß, 82 Packungen des Potenzmittels Viagra sowie eine Einwegspritze entdeckt. Das Team Gerolsteiner suspendierte Moletta daraufhin.



Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, dpa

 
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