Doping

DLV prüft Vorwürfe gegen Dietzsch-Trainer Kollark

14. Mai 2008 Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wollen Doping-Vorwürfe gegen Erfolgstrainer Dieter Kollark vom SC Neubrandenburg prüfen. Dies kündigten DOSB-Generaldirektor Michael Vesper und DLV-Präsident Clemens Prokop am Mittwoch an.

Entsprechende Hinweise sind nach Angaben des NDR in der Stasi-Akte des früheren Neubrandenburger Sportarztes Klaus Böhm gefunden worden. „Wir haben die Unterlagen vom NDR erbeten und bereits erhalten und werden sie unverzüglich an unsere unabhängigen Kommissionen weiterleiten“, sagte Vesper.

„Ich bin der einzige nicht-belastete Ost-Trainer“

Eine Seite mit dem Bericht aus der Stasi-Akte des früheren Neubrandenburger Sportarztes Klaus Böhm wurde dem DOSB vom NDR zur Verfügung gestellt. Eine Direktauskunft bei der Birthler-Behörde konnte der DOSB nicht einholen, weil der Mediziner laut Unterlagen-Gesetz als „Drittperson“ gilt.

Laut Böhm-Bericht vom 3. Dezember 1980 soll Kollark Dopingmittel „entsprechend der Festlegung an die Athleten ausgegeben“ haben. Kollark wollte sich auf dpa-Anfrage nicht direkt dazu äußern, sagte aber: „Das sind alte Kamellen. Ich bin der einzige nicht-belastete Ost-Trainer, deshalb versucht man, an meinem Stuhl zu sägen.“

„Da bin ich erstaunt. Das liegt 30 Jahre zurück“

Kollark trainiert unter anderen Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch; auch Kugelstoßerin Petra Lammert gilt als Olympia-Hoffnung für Peking. Als einer der erfolgreichsten deutschen Leichtathletik- Trainer ist er auch für die Olympia-Mannschaft vorgesehen. Über die Nominierungen für Peking entscheidet letztendlich aber der DOSB, der im Fall Kollark zunächst die Bewertung durch die unabhängige Anti-Doping-Kommission abwarten will.

Kollark, der mit seinem SCN-Team bis Ende der Woche noch zum Trainingslager in Albufeira/Portugal weilt, wurde von dem NDR-Bericht überrascht: „Da bin ich erstaunt, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Das liegt 30 Jahre zurück.“ Er wolle gar nicht sagen, dass er „mit dem Dopingsystem in der DDR nichts zu tun gehabt habe“. Aber: „Alle meine Sportler sind von der Staatsanwaltschaft verhört worden, und keiner hat gesagt, dass sie Dopingmittel von mir bekommen haben.“

„Werden die Vorwürfe mit allem Nachdruck prüfen“

Nach Überzeugung von Kollark hat es „wohl keinen Leichtathletik- Spitzentrainer in Ost und West gegeben, der vor der Wende nicht mit Dopingmitteln in Berührung gekommen“ ist. Bei seien Recherchen ist NDR 1 Radio MV auf den 28 Jahre alten Vermerk in der Stasi-Akte von Böhm gestoßen, der damals Leichtathletik-Sportarzt beim SC Neubrandenburg war.

„Die Präparate, in der Regel handelte es sich um das Anabolikum Oral-Turinabol, wurden vom entsprechenden Sportarzt an die Trainer ausgegeben, diese reichten die Mittel dann weiter an die Sportler“, berichtete der Hörfunksender. „Wir werden die Vorwürfe mit allem Nachdruck prüfen“, sagte DLV-Chef und Jurist Prokop der dpa. Erst dann könne man den Sachverhalt bewerten „und erst danach entsprechende Entscheidungen treffen“. Die Vorwürfe gegen Kollark werden indes keine juristischen Folgen haben, da die Fälle verjährt sind.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

 

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