Doping-Affäre

D'Hont relativiert Doping-Vorwurf gegen Jan Ullrich

Ullrich und Riis bei der Tour 1997

Ullrich und Riis bei der Tour 1997

28. Mai 2007 Der ehemalige Telekom-Betreuer Jef D'Hont hat seine Doping-Vorwürfe gegen Jan Ullrich relativiert. In einem Interview des niederländischen Radiosenders NOS erklärte der Belgier am Montag, daß er persönlich Ullrich nie eine Epo-Spritze gesetzt habe. Auf die Nachfrage des Moderators, wer Ullrich Spritzen verabreicht habe, gab D'Hont keine eindeutige Antwort.

In einem Interview der Zeitung „Bild am Sonntag“ hatte er noch erklärt, Ullrich selbst einmal in Frankreich Epo gespritzt zu haben. „Ich habe es ihm in den Arm gespritzt, das dauer ungefähr zehn Sekunden, das ist so, als ob man einem zuckerkranken Patienten Insulin gibt“, so D'Hont in der Zeitung.

„Es wäre gut, wenn er reinen Tisch machen würde“

Jeff D'Hont versorgte die Sportler mit Dopingmitteln

Jeff D'Hont versorgte die Sportler mit Dopingmitteln

D'Hont forderte Ullrich auf, sich wie bereits einige andere Radprofis in der Öffentlichkeit zu erklären: „Es wäre gut für ihn, wenn er auch reinen Tisch machen würde. Dann würde er sich freier fühlen“, sagte der frühere Masseur des damaligen Teams Telekom, der mit seinem Buch „Erinnerungen eines Radfahrer-Pflegers“ die jüngsten Doping-Geständnisse ausgelöst hatte.

Der 65 Jahre alte Belgier, der von 1992 bis 1996 Betreuer im Telekom-Team von Olympiasieger Ullrich war, stellte fest: „In Deutschland habe ich nie Epo gespritzt, nicht Jan Ullrich und auch nicht anderen Radfahrern. Dafür waren die Ärzte zuständig. Ich war ja nicht der feste Betreuer von Jan Ullrich. Nur in Frankreich habe ich ihm einmal das Mittel gespritzt“, sagte D'Hont der „Bild am Sonntag“.

Doping-Lawine rollt immer weiter

Zuvor hatte die Doping-Lawine im deutschen Radsport auch den Amateur-Bereich erreicht. Der langjährige deutsche Olympia-Arzt Georg Huber hat am Samstag gestanden, zwischen 1980 bis 1990 jungen Straßenradfahrern das leistungssteigernde Hormon Testosteron verabreicht zu haben. Dies hatte das Universitätsklinikum Freiburg mitgeteilt (siehe dazu auch: Doping-Affäre: Der Nachwuchs bekam Testosteron).

Huber sei mit sofortiger Wirkung suspendiert worden. Er habe gesagt, er habe unrecht gehandelt, „um Schlimmeres zu verhüten“, hieß es.

Schäuble forciert Anti-Doping-Gesetz

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet mit einer Ausweitung des Dopingskandals auf andere Sportarten. „Meine große Sorge ist jetzt, dass die Doping-Enthüllungen nicht auf den Radsport begrenzt bleiben“, sagte Schäuble der „Bild am Sonntag“. „Mich macht es maßlos wütend und traurig, dass offenbar so viele in der Radsportszene vom Doping wussten - und gelogen haben. Das Vertrauen, das zerstört wurde, ist immens.“

Der für den Sport zuständige Innenminister forderte eine rasche Verabschiedung des geplanten Anti-Doping-Gesetzes: „Doping ist eine Seuche, die wir bekämpfen. Je schneller unser Anti-Doping-Gesetz in Kraft tritt, desto besser.“ Eine Amnestie für geständige Dopingsünder lehnte Schäuble kategorisch ab. „Es kann doch nicht sein, dass jahrelang gelogen wird, und das Erste, was Politikern einfällt, ist Amnestie“, sagte der Minister.

Text: dpa
Bildmaterial: REUTERS

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