28. Mai 2007 In einer Nachrichtenagentur wird Georg Huber ein Saubermann-Image zugeschrieben. So muss man es wohl leider sehen: Es war nur ein Image. Ein Saubermann war er nicht. Und ein Ehrenmann auch nicht. Der bis Samstag hochangesehene, vielbeschäftigte Sportmediziner aus Freiburg hat mit seinen Aussagen gegenüber dem Rektor der Universität Freiburg und dem Vorstand der Uniklinik vieles in Trümmer gelegt: berufliche Zukunft, persönliche Beziehungen.
Noch zwei Tage zuvor versicherte er in einem langen Gespräch gegenüber der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), ihm sei und er habe sich nichts vorzuwerfen. Die Nachfrage der Nada war verständlich, arbeitete Huber doch seit Jahren in jenem Kreis mit, der hierzulande die Dopingplage bewältigen soll, mit Kontrollen und Analytik ebenso wie mit Aufklärung und Prävention.
Derselbe unrühmliche Mechanismus
Die finanziell und personell noch immer schwächelnde Nada hat ein zusätzliches massives Problem, wenn sich Spürhunde als Maulwürfe erwiesen. Was anderes ist von einem Mann zu halten, der vorgeblich seit mehr als einem Jahrzehnt an vielen Fronten gegen Doping eintritt, der aber nicht einmal in der Lage war, seinen engsten Mitstreitern reinen Wein einzuschenken?
Huber gäbe ein besseres Bild ab, hätte er, wenn schon nicht die Öffentlichkeit, so doch die Klinik in Freiburg, die vielen Sportorganisationen, für die er tätig gewesen ist, und die Nationale Anti-Doping-Agentur informiert über seine Vergangenheit. Und hätten sie ihm trotzdem und gerade deshalb vertraut, weil er einschlägige Erfahrungen besitzt, die er längst freiwillig offenbart und bedauert hätte - obwohl selbst über eine solche Doppelrolle zu diskutieren wäre.
Unsinnig, überflüssig und eitel
Aber nein, erst als andere geredet und damit auch seine Fassade ins Wanken gebracht hatten, kam er aus der Deckung. Das diskreditiert alles, was er im Rad- und Skisport, im Behindertensport oder bei Olympia geleistet hat. Unterscheidet ihn etwas von den geständigen Radprofis, die ein Enthüllungsbuch eines belgischen Radsportbetreuers unter Druck gesetzt hat?
Nichts. Es ist derselbe unrühmliche Mechanismus. Und bei Huber als Arzt und als Vertrauensperson besonders für Juniorensportler zieht nicht einmal der Satz, den Riis, Zabel und all die anderen bemüht haben: Ich habe es alleine gemacht! Huber hat nicht sich selbst eine Spritze gesetzt, sondern Schutzbefohlenen. Unrecht zu begehen, um Schlimmeres zu verhüten - ein, vorsichtig formuliert, seltsames Motiv für einen Mediziner. Ich bin doch überall dabei, wenn Geschwindigkeit gefragt ist, so ist Huber zitiert worden bei seiner Kür zum Sportarzt des Jahres 2005. Im Nachhinein bekommt diese Äußerung eine damals bestimmt ungewollte Bedeutung.
Apropos Sportarzt des Jahres: Bemisst sich so etwas an der Zahl geheilter Beinbrüche, an der Menge verabreichter Medikamente, am Honorarvolumen oder an den Medaillen betreuter Athleten? Diese Frage ist natürlich nicht ernst gemeint. Sie soll zeigen, wie unsinnig, überflüssig und eitel ein solches Etikett ist.
Text: F.A.Z., 29.05.2007, Nr. 122 / Seite 29
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