25. November 2009 Welch ein schmerzhafter Prozess! Claudia Pechstein hat endlich ihr Revisionsurteil vom Internationalen Sportgerichtshof, ihre zweijährige Doping-Sperre bleibt trotz äußerster Anstrengungen der Eisschnellläuferin und ihrer Entourage bestehen. Das ist die angemessene und verdiente Strafe, wenn sie illegal ihr Blut manipuliert hat, um ihre Leistung zu steigern und zu Ruhm, Geld und Medaillen zu kommen. Dabei spielt es keine Rolle, dass möglicherweise auch ihre Konkurrentinnen zu Doping-Mitteln greifen, denn ein Regelverstoß ist nicht weniger gravierend, wenn ihn andere auch begehen. Und auch auf den Systemzwang kann sie sich nicht berufen, denn eine 37 Jahre alte Berufssportlerin, die in den vergangenen Monaten ein cleveres und kontrolliertes Bild abgegeben hat, weiß, was sie tut.
Pechsteins Sportkarriere findet nun ein düsteres Ende, ihr Renommee als Repräsentantin deutscher Spitzenleistung ist dahin. Ihr Arbeitsplatz bei der Bundespolizei steht in Frage, zudem sitzt sie auf Verfahrenskosten von angeblich 250.000 Euro. Zwar will sie die weiteren juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, doch der Kampf um ihren letzten Olympia-Auftritt in Vancouver ist verloren. Der Glanz um den einstigen Sportstar Claudia Pechstein ist erloschen. Da helfen keine Kontakte zu den Boulevard-Medien, kein Lamento ihres Rechtsbeistands, kein noch so renommierter Gutachter mehr. Und es ist auch sicher kein Trost für sie, dass sie durch ihren Präzedenzfall der indirekten Beweisführung in Doping-Verfahren die Tür geöffnet hat. Die in die Berufungsverhandlung eingebrachte Expertise ist von erheblichem Wert für den Anti-Doping-Kampf; die erst in der Rohfassung bestehenden Richtlinien können nun an der Urteilsbegründung des Sportgerichtshofs orientiert werden.
Einsicht wäre besser gewesen
Die Warnung an die Sportler ist deutlich: Wer zu Doping-Mitteln greift, riskiert seine Existenz. Vielleicht ist das ein heilsamer Schock für manchen, der bisher darauf baute, dass seine Leistungsmanipulation vom System gedeckt wird. Insofern hat die Doping-Bekämpfung gesiegt. Es bleibt zwar ein ungutes Gefühl beim Gedanken an die vergangenen Wochen. An den Moment, als der Cas die für den folgenden Tag angesetzte Urteilsverkündung um zwei Wochen verschob. An die weitere Verschiebung auf Mittwoch dieser Woche. Das war eine üble Nervenstrapaze für die Sportlerin. Aber gerade ihr Lager hat den Nervenkrieg immer wieder befeuert: Mit der ständigen Präsenz in der Öffentlichkeit, der Verwirrungs- und Desinformationstaktik, die manchen Fan, aber nicht das Gericht beeinflusst hat.
Einsicht wäre besser gewesen. Aber das ist viel verlangt in einem vom Doping-Problem geprägten Leistungssport. Doping führt Athleten in Versuchung. Es führt sie an die Spitze. Und es führt sie in die Lebenslüge.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp