Der gute Mensch vom Politbüro

Mit dem Auftritt im Internationalen Pressezentrum im Ostteil Berlins brachte es Günter Schabowski in die Geschichtsbücher. Die Bekanntgabe einer neuen Reiseregelung machte ihn zum SED-Hauptdarsteller der Grenzöffnung. Später avancierte er zum Paradezeitzeugen über den Untergang der DDR, mit der er ...

Bedrückende Atmosphäre

Welche neuen Erkenntnisse kann ein weiteres Buch 70 Jahre nach den Novemberpogromen liefern? Zuallererst unterscheidet sich die vorliegende Veröffentlichung durch ihre außergewöhnliche Entstehungsgeschichte. Thomas Karlauf hat die Genese sachgerecht rekonstruiert: Im August 1939 - neun Monate nach ...

Unkontrollierbare Regionen und legale Wege

Am 20. März 1933 telegraphierte Friedrich Wilhelm von Prittwitz und Gaffron aus Washington an das Auswärtige Amt. Wenige Wochen nach Hitlers "Machtergreifung" und ersten antijüdischen Ausschreitungen sei in Amerika "eine antideutsche Stimmung im Werden". Zur Eindämmung empfahl der 48 Jahre alte Botschafter ...

Ein Unterkapitel deutscher Geschichte

Für Menschen, Gemeinschaften und Nationen gehört die Vergegenwärtigung ihrer Vergangenheit zu den Voraussetzungen einer stabilen Existenz. Deswegen arbeiten sie zum Zwecke der Selbstvergewisserung kontinuierlich an ihrer Erinnerung. In offenen Gesellschaften ist die Herausbildung eines Geschichtsbildes ihrer selbst ein ungemein verwickelter Vorgang.

Der Retter?

Eigentlich geht es in diesem Buch nicht um die Grundrechte, sondern um Gerhart Baum. Gut, er ist schließlich der Autor, und er hat ein wichtiges Anliegen: "Rettet die Grundrechte!" Deshalb wird er in seinem Buch auch selbst interviewt. Die Hauptthese ist bekannt und heutzutage nicht gerade eine Außenseitermeinung.

Fluch der Pioniertat

Im Meer verklappen, vergraben oder bis auf weiteres einfach liegenlassen - das waren die gängigen Methoden des Umgangs mit radioaktiven Abfällen, als die Alliierten der Bundesrepublik Deutschland 1954 das Recht zugestanden, sich an der Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu beteiligen.

Zum Einklang von Wissen und Bildung

Sammelbände mit Vorträgen zu Jubiläumsveranstaltungen erfüllen meist nur dokumentarische Funktion, ein Lesevergnügen sind sie nicht. Das gilt jedoch nicht für das schmale Bändchen "Wissenswelten - Bildungswelten", das Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke im Auftrag der Göttinger Akademie zum 300. Geburtstag Albrecht von Hallers herausgegeben haben.

Stimme haben und bei Stimmung bleiben

Rechtzeitig vor der Bundestagswahl erschienen Bücher, die der Politikverdrossenheit der Bürger Ausdruck verleihen und den Lesern die Irrelevanz ihrer Stimme vor Augen führen wollten. Dazu zählen Arbeiten des Schriftstellers Wieczorek und des Speyrer Staatsrechtslehrers von Arnim. Wer Deutschland ...

Wider die Konfektionsgröße

Vor einem Vierteljahrhundert schrieb die Grande Dame der amerikanischen Historiker mit Breitenwirkung, Barbara Tuchman, eine Reportage über das Europa der Vorkriegszeit: "Der stolze Turm". Die Sammlung von Essays reichte von Richard Strauss über die Dreyfus-Affäre in Frankreich bis zu den Weekends der englischen Aristokratie.

Ein anderer Islam

Dass es in der Islamischen Republik Iran Reformdenker gibt, die das von Ajatollah Chomeini seinerzeit entwickelte, bis heute herrschende System der Regentschaft des Obersten Religionsgelehrten (welajat-e faghih) in Frage stellen, ist seit den neunziger Jahren bekannt. Insbesondere der Name von Abdolkarim ...

Heroische Attitüde

Nach den "Moabiter Notizen", 1994 von Erich Honecker veröffentlicht, nun die "Gefängnis-Notizen" von Egon Krenz! 1989 SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzender für sieben Wochen, war sich der bekennende Kommunist eine Agit-Prop-Abrechnung mit der "bürgerlichen Klassenjustiz" wohl schuldig.

Rassismus, Militarismus, Autoritarismus

Wer will das alles lesen? Die Frage stellt sich beim ersten Blick auf das monumentale Werk von Richard J. Evans über den Nationalsozialismus. Nach "Aufstieg" (2004) und "Diktatur" (2006) legt der in Cambridge lehrende 62 Jahre alte Fachmann für deutsche Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert jetzt den letzten Teil vor: "Krieg".

Schlag nach bei Lenin?

Großes Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail zeichnen dieses Buch aus. Dabei ist Helmut Altrichter hoch anzurechnen, dass er einer naheliegenden Versuchung nicht erliegt: Die Geschichte von Untergängen verleitet Historiker zuweilen dazu, das der Nachwelt bekannte Ergebnis in die Erlebniswelt der Handelnden ...

Streitbar und politisch überhaupt nicht korrekt

Wer Josef Kraus kennt, wird wissen, dass alles, was er schreibt, eine Streitschrift ist, und zwar eine bajuwarisch deftige. So auch sein neuestes Buch "Ist die Bildung noch zu retten?". Welche Bildung? Das ergründet Kraus in einem Wissenskanon des gebildeten Europäers, der bei den Ursprüngen des ...

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