Ein Unterkapitel deutscher Geschichte

Für Menschen, Gemeinschaften und Nationen gehört die Vergegenwärtigung ihrer Vergangenheit zu den Voraussetzungen einer stabilen Existenz. Deswegen arbeiten sie zum Zwecke der Selbstvergewisserung kontinuierlich an ihrer Erinnerung. In offenen Gesellschaften ist die Herausbildung eines Geschichtsbildes ihrer selbst ein ungemein verwickelter Vorgang.

Der Retter?

Eigentlich geht es in diesem Buch nicht um die Grundrechte, sondern um Gerhart Baum. Gut, er ist schließlich der Autor, und er hat ein wichtiges Anliegen: "Rettet die Grundrechte!" Deshalb wird er in seinem Buch auch selbst interviewt. Die Hauptthese ist bekannt und heutzutage nicht gerade eine Außenseitermeinung.

Fluch der Pioniertat

Im Meer verklappen, vergraben oder bis auf weiteres einfach liegenlassen - das waren die gängigen Methoden des Umgangs mit radioaktiven Abfällen, als die Alliierten der Bundesrepublik Deutschland 1954 das Recht zugestanden, sich an der Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu beteiligen.

Zum Einklang von Wissen und Bildung

Sammelbände mit Vorträgen zu Jubiläumsveranstaltungen erfüllen meist nur dokumentarische Funktion, ein Lesevergnügen sind sie nicht. Das gilt jedoch nicht für das schmale Bändchen "Wissenswelten - Bildungswelten", das Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke im Auftrag der Göttinger Akademie zum 300. Geburtstag Albrecht von Hallers herausgegeben haben.

Wider die Konfektionsgröße

Vor einem Vierteljahrhundert schrieb die Grande Dame der amerikanischen Historiker mit Breitenwirkung, Barbara Tuchman, eine Reportage über das Europa der Vorkriegszeit: "Der stolze Turm". Die Sammlung von Essays reichte von Richard Strauss über die Dreyfus-Affäre in Frankreich bis zu den Weekends der englischen Aristokratie.

Stimme haben und bei Stimmung bleiben

Rechtzeitig vor der Bundestagswahl erschienen Bücher, die der Politikverdrossenheit der Bürger Ausdruck verleihen und den Lesern die Irrelevanz ihrer Stimme vor Augen führen wollten. Dazu zählen Arbeiten des Schriftstellers Wieczorek und des Speyrer Staatsrechtslehrers von Arnim. Wer Deutschland ...

Ein anderer Islam

Dass es in der Islamischen Republik Iran Reformdenker gibt, die das von Ajatollah Chomeini seinerzeit entwickelte, bis heute herrschende System der Regentschaft des Obersten Religionsgelehrten (welajat-e faghih) in Frage stellen, ist seit den neunziger Jahren bekannt. Insbesondere der Name von Abdolkarim ...

Heroische Attitüde

Nach den "Moabiter Notizen", 1994 von Erich Honecker veröffentlicht, nun die "Gefängnis-Notizen" von Egon Krenz! 1989 SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzender für sieben Wochen, war sich der bekennende Kommunist eine Agit-Prop-Abrechnung mit der "bürgerlichen Klassenjustiz" wohl schuldig.

Schlag nach bei Lenin?

Großes Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail zeichnen dieses Buch aus. Dabei ist Helmut Altrichter hoch anzurechnen, dass er einer naheliegenden Versuchung nicht erliegt: Die Geschichte von Untergängen verleitet Historiker zuweilen dazu, das der Nachwelt bekannte Ergebnis in die Erlebniswelt der Handelnden ...

Rassismus, Militarismus, Autoritarismus

Wer will das alles lesen? Die Frage stellt sich beim ersten Blick auf das monumentale Werk von Richard J. Evans über den Nationalsozialismus. Nach "Aufstieg" (2004) und "Diktatur" (2006) legt der in Cambridge lehrende 62 Jahre alte Fachmann für deutsche Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert jetzt den letzten Teil vor: "Krieg".

Der Grad der Anpassung

Aus der Vielzahl der Neuerscheinungen zur friedlichen Revolution ragen Joachim Gaucks glänzend formulierte und das Vergessen des SED-Unrechts beklagende Erinnerungen heraus. Der 1940 geborene Rostocker war Pastor in Lüssow/Kreis Güstrow, später in Rostock-Evershagen. In den achtziger Jahren kümmerte er sich zudem federführend um Kirchentage in Mecklenburg.

Streitbar und politisch überhaupt nicht korrekt

Wer Josef Kraus kennt, wird wissen, dass alles, was er schreibt, eine Streitschrift ist, und zwar eine bajuwarisch deftige. So auch sein neuestes Buch "Ist die Bildung noch zu retten?". Welche Bildung? Das ergründet Kraus in einem Wissenskanon des gebildeten Europäers, der bei den Ursprüngen des ...

Schicksale als Schadensfälle

1933 wurde der sozialdarwinistisch-biologistisch aufgeladene Rassenwahn in Deutschland Staatsdoktrin. In immer neuen, sich teilweise überlagernden Radikalisierungsschüben wurden jene, die in diesem Wahn als "Bazillen", als "Schädlinge" gegenüber der arisch-deutschen Volksgemeinschaft galten, verfemt, verfolgt, vernichtet.

Neudeutsche an Rhein und Ruhr

"Vorausdenken" will Armin Laschet, Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, in seinem wenige Tage vor der Bundestagswahl erschienenen Buch "Die Aufsteiger-Republik". Der Autor ist um sprachliche Originalität bemüht - so nennt er Zuwanderer "Neudeutsche" und Nichtzugewanderte "Altdeutsche".

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