Soll Frankreich weiterhin versuchen, eine globale Machtpolitik zu betreiben? Oder soll es sich darauf beschränken, Einfluss auszuüben: im Rahmen der EU, der Nato, der Vereinten Nationen (UN) und auf anderen Wegen? Diese Frage ist im französischen Diskurs ebenso aktuell wie umstritten. Aber sie ist ...
Als sich Hans Magnus Enzensberger in den achtziger Jahren Europa von der Peripherie her näherte, fand sich in seinen "Norwegischen Anachronismen" das Zitat eines Postbeamten. Der kommentierte den 1969 entdeckten Ölreichtum vor Norwegens Küste: "Zum ersten Mal kann uns das Ausland nicht mehr auf der Nase herumtanzen.
Niemals zuvor ist in der neueren Weltgeschichte eine im Krieg siegreiche Nation derart rasant abgestiegen wie das Vereinigte Königreich nach 1945. Nicht nur der Zerfall des Empire, sondern auch die in weiten Teilen die Geschicke der Menschheit bestimmende Supermächtekonfrontation zwischen den Vereinigten ...
Welche neuen Erkenntnisse kann ein weiteres Buch 70 Jahre nach den Novemberpogromen liefern? Zuallererst unterscheidet sich die vorliegende Veröffentlichung durch ihre außergewöhnliche Entstehungsgeschichte. Thomas Karlauf hat die Genese sachgerecht rekonstruiert: Im August 1939 - neun Monate nach ...
Mit dem Auftritt im Internationalen Pressezentrum im Ostteil Berlins brachte es Günter Schabowski in die Geschichtsbücher. Die Bekanntgabe einer neuen Reiseregelung machte ihn zum SED-Hauptdarsteller der Grenzöffnung. Später avancierte er zum Paradezeitzeugen über den Untergang der DDR, mit der er ...
Am 20. März 1933 telegraphierte Friedrich Wilhelm von Prittwitz und Gaffron aus Washington an das Auswärtige Amt. Wenige Wochen nach Hitlers "Machtergreifung" und ersten antijüdischen Ausschreitungen sei in Amerika "eine antideutsche Stimmung im Werden". Zur Eindämmung empfahl der 48 Jahre alte Botschafter ...
Im Meer verklappen, vergraben oder bis auf weiteres einfach liegenlassen - das waren die gängigen Methoden des Umgangs mit radioaktiven Abfällen, als die Alliierten der Bundesrepublik Deutschland 1954 das Recht zugestanden, sich an der Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu beteiligen.
Eigentlich geht es in diesem Buch nicht um die Grundrechte, sondern um Gerhart Baum. Gut, er ist schließlich der Autor, und er hat ein wichtiges Anliegen: "Rettet die Grundrechte!" Deshalb wird er in seinem Buch auch selbst interviewt. Die Hauptthese ist bekannt und heutzutage nicht gerade eine Außenseitermeinung.
Für Menschen, Gemeinschaften und Nationen gehört die Vergegenwärtigung ihrer Vergangenheit zu den Voraussetzungen einer stabilen Existenz. Deswegen arbeiten sie zum Zwecke der Selbstvergewisserung kontinuierlich an ihrer Erinnerung. In offenen Gesellschaften ist die Herausbildung eines Geschichtsbildes ihrer selbst ein ungemein verwickelter Vorgang.
Sammelbände mit Vorträgen zu Jubiläumsveranstaltungen erfüllen meist nur dokumentarische Funktion, ein Lesevergnügen sind sie nicht. Das gilt jedoch nicht für das schmale Bändchen "Wissenswelten - Bildungswelten", das Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke im Auftrag der Göttinger Akademie zum 300. Geburtstag Albrecht von Hallers herausgegeben haben.
Rechtzeitig vor der Bundestagswahl erschienen Bücher, die der Politikverdrossenheit der Bürger Ausdruck verleihen und den Lesern die Irrelevanz ihrer Stimme vor Augen führen wollten. Dazu zählen Arbeiten des Schriftstellers Wieczorek und des Speyrer Staatsrechtslehrers von Arnim. Wer Deutschland ...
Vor einem Vierteljahrhundert schrieb die Grande Dame der amerikanischen Historiker mit Breitenwirkung, Barbara Tuchman, eine Reportage über das Europa der Vorkriegszeit: "Der stolze Turm". Die Sammlung von Essays reichte von Richard Strauss über die Dreyfus-Affäre in Frankreich bis zu den Weekends der englischen Aristokratie.
Dass es in der Islamischen Republik Iran Reformdenker gibt, die das von Ajatollah Chomeini seinerzeit entwickelte, bis heute herrschende System der Regentschaft des Obersten Religionsgelehrten (welajat-e faghih) in Frage stellen, ist seit den neunziger Jahren bekannt. Insbesondere der Name von Abdolkarim ...
Wer will das alles lesen? Die Frage stellt sich beim ersten Blick auf das monumentale Werk von Richard J. Evans über den Nationalsozialismus. Nach "Aufstieg" (2004) und "Diktatur" (2006) legt der in Cambridge lehrende 62 Jahre alte Fachmann für deutsche Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert jetzt den letzten Teil vor: "Krieg".