27. Juni 2008 "Die militärische Intervention im Kosovo hat einen Krieg beendet", schreibt Joscha Schmierer: "Die Arbeit am Frieden in der Region wird noch lange dauern." Neben dem früheren Berater im Planungsstab des Auswärtigen Amts zeichnen drei Dutzend Autoren Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen der Kriege auf dem Gebiet des einst sozialistischen Jugoslawiens nach. So ist ein Nachschlagewerk entstanden, das die Zerschlagung eines Staates mitten in Europa erhellen hilft. Dieser Prozess ist bis heute vielfach unverstanden geblieben. Herausgeberin Dunja Melcic kritisiert die internationale Gemeinschaft wegen ihrer "Unfähigkeit, rechtzeitig zu verstehen, dass die Verselbständigung der Republiken nicht das Problem, sondern die Lösung war". Wohl auch deshalb hat sie den Titel "Der Jugoslawien-Krieg" gewählt für jene Serie an Kriegen, die Milosevic 1991 in Slowenien und Kroatien anzettelte, in Bosnien und Hercegovina fortführte, ehe sich der blutige Kreis der Sezession mit der Nato-Intervention im Kosovo 1999 vorerst schloss. Was die Konflikte nur als Etappen eines großen Krieges erscheinen lässt, so die Herausgeberin, sei das Streben des 2006 in Haft verstorbenen Staatschefs, ein "Großserbien" zu schaffen. Damit endgültig gescheitert ist Milosevic im Kosovo. Grund zum Aufatmen gibt es nicht, warnt Frau Melcic. Trotz aller Fortschritte habe sich die "Wahrnehmungsweise des Westens, die sich so verheerend auf den Kriegsverlauf ausgewirkt hat", in der Nachkriegszeit fortgesetzt. (Dunja Melcic [Herausgeberin]: Der Jugoslawien-Krieg. Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007. 605 S., 79,90 [Euro].)
MARKUS BICKEL
Buchtitel: Der Jugoslawien-Krieg
Buchautor: Melcic, Dunja
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2008, Nr. 148 / Seite 8
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