Brutal gefoltert

09. Mai 2008 In der Provinz Darfur im Süden Sudans vollzieht sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein "Genozid auf Raten". Bei Kämpfen zwischen Rebellen und von der Zentralregierung unterstützten Milizen starben in den vergangenen fünf Jahren über zweihunderttausend Menschen, mehr als zweieinhalb Millionen sind auf der Flucht. Die Vereinten Nationen sprechen von der gegenwärtig schlimmsten humanitären Katastrophe. Daoud Hari wurde aus seinem Dorf in Darfur vertrieben, viele Familienmitglieder und Freunde fanden auf grausame Weise den Tod oder mussten flüchten. Er selbst konnte sich in den Tschad retten und arbeitete zunächst in Flüchtlingscamps als Dolmetscher. Eindringlich schildert er die schwierige Situation in den Lagern und seine Interviews mit Vertriebenen: "Diese trägen Geschichten wurden in solcher Zurückhaltung erzählt, dass meine Augen, meine Stimme anschwollen, während ich übersetzte." Bald kehrte Hari regelmäßig mit gefälschten Papieren in seine Heimat zurück, um ausländische Berichterstatter zu begleiten. Heute lebt er in den Vereinigten Staaten. Im Sommer 2006 gerieten Hari, der amerikanische Pulitzerpreisträger Paul Salopek und ihr Chauffeur Ali in die Fänge sudanesischer Regierungstruppen. Sie wurden brutal gefoltert und erst nach über einem Monat aufgrund des internationalen Drucks freigelassen. Nahezu die Hälfte seiner Darstellung ist dieser Gefangenschaft gewidmet. Mit Hilfe seiner ebenso schmucklosen wie effizienten Prosa gelingt es dem Autor auf beeindruckende Weise, die politisch komplexe, von unvorstellbarer Gewalt geprägte Situation in Darfur zu beschreiben. (Daoud Hari: Der Übersetzer. Leben und Sterben in Darfur. Karl Blessing Verlag, München 2008. 255 S.,

19,95 [Euro].)

ANDREAS ECKERT



Buchtitel: Der Übersetzer - Leben und Sterben in Darfur
Buchautor: Hari, Daoud

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2008, Nr. 108 / Seite 7

 
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