06. Juni 2006
Natürlich dreht sich auch bei dem Internationalen Traineeprogramm des Touristikunternehmens TUI alles um den Urlaub. Doch die Vorbereitung auf das Management von Fluglinien und Hotels bringt Einsteiger nur selten zu historischen Stätten oder an den Strand. Statt dessen übernehmen Trainees wie Björn Walther schnell operative Aufgaben im größten Touristikunternehmen Europas.
Noch sitzt Björn Walther auf seinem bequemen Ledersessel in der TUI Niederlassung in Rijswijk bei Den Haag. Von hier aus hat er an der Integration einer neuen Airline in die bestehende Flottenstruktur der TUI Airlines und in die niederländische Organisation gearbeitet. Einige Kilometer entfernt aber warten schon die gepackten Koffer. Walther wird nach Hannover ziehen und in der Konzernzentrale die Aufgaben eines Projektleiters für den Zentralbereich Airline Management übernehmen. Zwei Jahre davor war er aus Paris gekommen, wo er für den vor allem in Frankreich bekannten Reiseveranstalter Nouvelles Frontières das Controlling für dessen weltweite Hotelkette Paladien übernommen hatte. Arbeit im Ausland und Aufgaben im Management für Hotels und Fluglinien wie Hapagfly, Thomsonfly, Britannia oder Jetairfly: Das paßt zu den beruflichen Interessen des Ex-Trainee und heutigen Assistenten der Geschäftsführung. Und es sind - zusammen mit der Koordination der 80 konzerneigenen Reiseunternehmen wie 1-2-Fly, Robinson, airtours oder Thomson und dem Kreuzfahrtgeschäft - die Eckpfeiler des Touristikgeschäfts der TUI.
Wer für ein Touristikunternehmen arbeitet, das in mehr als 70 Ländern präsent ist und für das rund 5.000 Reiseleiter tätig sind, kann nur international arbeiten.
Die TUI AG ist hervorgegangen aus der ehemaligen Preussag AG und hat sich innerhalb weniger Jahre vom Industriekonglomerat zu einem der erfolgreichsten Touristik- und Schiffahrtkonzerne weltweit entwickelt. Heute ist TUI ein Unternehmen mit weltweit über 57.000 Mitarbeitern. Mittelfristig strebt der Konzern an, daß die Geschäftsfelder Touristik und Schiffahrt zu jeweils 50 Prozent zum Umsatz und Gewinn beitragen. Derzeit erwirtschaftet die Sparte Touristik noch mehr als 70 Prozent des Umsatzes von 18 Milliarden Euro. Der Konzern ist damit Touristikmarktführer in Europa. Zur Gruppe gehören circa 3.200 Reisebüros, über 100 eigene Flugzeuge, 42 Zielgebietsagenturen und rund 280 Hotels mit mehr als 164.000 Betten in 30 Ländern. All das muß koordiniert und gemanagt werden. Das sind Aufgaben, die auch die Absolventen des International Trainee Programme der TUI AG übernehmen sollen. So wie Björn Walther, der die Beschreibung International für die Ausbildung des Managementnachwuchses ähnlich unnötig findet wie die eines weißen Schimmels oder von Strand am Meer. Wer für ein Touristikunternehmen arbeitet, das in mehr als 70 Ländern präsent ist und für das rund 5.000 Reiseleiter tätig sind, kann nur international arbeiten, meint er. Das Interesse für Länder und Kulturen sowie Auslandserfahrung seien deshalb ebenso wichtig für eine erfolgreiche Bewerbung wie Sprachkenntnisse oder die Eignung, im transnationalen Umfeld Managementaufgaben zu übernehmen.
Björn Walther ist 29 Jahre alt und spricht neben Englisch noch Französisch, Holländisch und Spanisch. Nach seinem Studium an der Uni Maastricht und der Uni Lausanne startete er vor drei Jahren mit dem Traineeprogramm zum Schwerpunktbereich Controlling und Unternehmenssteuerung. Seine erste Station war das Konzerncontrolling in der TUI AG in Hannover. Hier übernahm er unter anderem zwei Monate lang die Aufgaben eines Beteiligungscontrollers. Zusammen mit rund einem Dutzend Kollegen war er dafür verantwortlich, die Monats- und Jahresergebnisse der Controllingabteilungen einzelner Gesellschaften für den Mutterkonzern abzufragen und aufzubereiten. Man muß sich in dieser Aufgabe als Verbindungsstück zwischen Zentralvorstand und den Ländergesellschaften verstehen und auch so agieren. Im Klartext hieß das, die jeweiligen Ansprechpartner kontaktieren und die Geschäftssituationen in Ländern wie Spanien, Griechenland, Türkei, Ägypten, Marokko oder Tunesien erfassen, erinnert sich Walther. Ziel war es, neben der Abfrage der Geschäftsdaten die Ergebnisse zu beurteilen: Warum läuft das Geschäft hier gut, warum ist es an anderer Stelle eingebrochen? Ist das Land nicht in, schrecken wie derzeit in der Türkei Ereignisse wie die Vogelgrippe die Touristen ab? Und wie läßt sich in einem aktuell beliebten Reiseland das Ergebnis weiter verbessern?
Für seine zweite Station blieb Björn Walther zwar in Hannover, wechselte aber die Organisation und ging zu TUI Deutschland, die unter den 16 Ländergesellschaften in China und Europa zu den bedeutendsten der TUI gehört. Diesmal sollte er im Kapazitätsmanagement ein neues Tool zur Flugplananalyse und zur Optimierung der Flugplanung der konzerneigenen Fluggesellschaft Hapagfly entwickeln, deren Airline von fast allen deutschen Flughäfen nach Spanien fliegt. Auch hier ging es wieder um die Schaffung von mehr Transparenz. Der Trainee sollte klären, wie hoch die Auslastung auf den einzelnen Strekken ist, wie die Kostenstruktur und der Deckungsbeitrag sich auf den einzelnen Routen verhält und welche Folgen dies für die Optimierung der Planung hat.
Während seiner dritten Station für Nouvelles Frontières in Paris erhielt er schließlich das Angebot, zu TUI Niederlande nach Den Haag zu gehen. Ziel war die Unterstützung einer Interimsgeschäftsführung, die mit der Neustrukturierung der Ländergesellschaft beauftragt war. Erstmals arbeitete Walther in einem auch strategisch wichtigen Arbeitsbereich. Als Assistent der Geschäftsleitung stellte er für seine Vorgesetzten Informationen zusammen, organisierte Meetings und bereitete Präsentationen und Reden vor. Und er erarbeitete ein Konzept für eine neue, mittlerweile bei TUI übliche Rabattregelung für Familienmitglieder und Freunde von Mitarbeitern. Aus der Assistenz hat sich im Laufe der Zeit eine Projektleitung entwikkelt, weil er zusätzlich die Aufgabe übernommen hat, eine neue Fluggesellschaft so zu integrieren, daß mögliche Synergien auf nationaler und internationaler Ebene genutzt werden: In der Administration wie etwa beim Personal ebenso wie bei Finanzen oder dem Gebäudemanagement. Auch ein neues IT-System sollte eingeführt werden, um unter anderem die operativen Abteilungen der Airline zu unterstützen und die Kosten der Fluggesellschaft zu erfassen. Beteiligt an den Integrations- und Implementierungsaufgaben waren rund 50 Experten aus Deutschland, den Niederlanden, England und Belgien, die Walther in acht Projektteams unterteilte. Zwei Gruppen beispielsweise koordinierten den Aufbau der IT-Infrastruktur und der Software, andere Teams etwa waren für den zentralen Einkauf und hier vor allem für das Neuverhandeln von Verträgen von Wartungsunternehmen zuständig oder für den Bereich Operations, der für alles rund um das eigentliche Fliegen verantwortlich ist: von der technischen Sicherung über das Tanken bis hin zum Catering. Allein diese Aufgaben zeigen, wie intensiv der Bedarf an Koordinationsaufgaben ist, die ich übernommen habe, meint Walther. Etwa ein Jahr hat Walther in Den Haag an diesem Projekt gearbeitet.
Jetzt ist es soweit abgeschlossen, daß er sich seiner nächsten Aufgabe in Hannover zuwenden kann: dem Ausbau der Zusammenarbeit zwischen der holländischen, belgischen und marokkanischen Fluggesellschaft und das Implementieren eines neues Reservierungssystems bei verschiedenen Gesellschaften. Als Assistent der Geschäftsleitung werde ich dann nicht mehr tätig sein, meint Walther. In der Regel würden bei TUI viele derartige Aufgaben schlicht mit Projektmanagement betitelt. Welche Berufsbezeichnung letztlich in meinem Vertrag steht, ist für mich nicht entscheidend, meint er. Zumal sich seine Visitenkarte ohnehin häufig ändert. Zumindest bei der Adresse.
TUI AG Recruiting Office
Karl-Wiechert-Allee 4
30625 Hannover
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