11. Februar 2004 Die anhaltende Stärke des Euro trübt nach Einschätzung von EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell nicht die Wachstumsaussichten im Euroraum. Vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten sagte die Österreicherin am Dienstagabend, trotz der Euro-Aufwertung sei die externe Nachfrage außerhalb des gemeinsamen Währungsgebiets seit dem Herbst stärker gestiegen als erwartet.
Aus diesem Grund blieben die Projektionen der Europäischen Zentralbank (EZB) für das Wachstum unverändert gut. Im Dezember 2003 war die EZB in ihrer zentralen Schätzung von einem Wachstum um 1,6 Prozent für 2004 ausgegangen.
Rückgang der Inflation erwartet
Tumpel-Gugerell, die dem EZB-Direktorium seit dem vergangenen Jahr angehört, wies ferner darauf hin, daß bei der Inflationsentwicklung für dieses und kommendes Jahr wegen sinkender Importpreise eine leichte Entlastung zu erwarten sei. Für den Verlauf dieses Jahres sollte mit einem Rückgang unter die Marke von 2 Prozent zu rechnen sein, was mit der EZB-Vorstellung von Preisstabilität vereinbar wäre.
Im Januar hat die Teuerung im Euroraum nach Berechnungen von Eurostat genau 2,0 Prozent betragen. Vor diesem Hintergrund bezeichnete das EZB-Direktoriumsmitglied die gegenwärtigen EZB-Leitzinsen von 2,00 Prozent als angemessen, Zinssenkungen seien derzeit kein Thema.
Mit Blick auf den in Gang gekommenen konjunkturellen Erholungsprozeß im Euroraum äußerte Tumpel-Gugerell die Auffassung, daß die Risiken für den Aufschwung heute ausgewogener seien als noch vor einigen Monaten. Getragen werde das Wachstum allerdings noch von der externen Nachfrage, während die Binnennachfrage hinterher hinke. Tumpel-Gugerell betonte, daß die schwächere Binnennachfrage für die laufende Konjunkturphase nichts Ungewöhnliches sei. Allerdings würde sich die EZB ein höheres Verbrauchervertrauen wünschen, während es von den Investitionen bereits positive Signale gebe.
Kein Kommentar zur G-7-Erklärung
Zur aktuellen Wechselkursentwicklung und der G-7-Erklärung von Boca Raton äußerte sich Tumpel-Gugerell zurückhaltend. Sie wiederholte die G-7-Formulierung, daß übertriebene Schwankungen und ungeordnete Bewegungen der Wechselkurse unerwünscht sind, da sie der wirtschaftlichen Entwicklung nicht zuträglich seien. Zudem habe sich die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen Wochen etwas gebremst. Zu den Möglichkeiten von Devisenmarktinterventionen zur Dämpfung der Euro-Stärke wollte sich Tumpel-Gugerell nicht äußern.
Text: vwd
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