28. Mai 2002 Der Luftschiffbauer Cargolifter aus Berlin hat sich für zahlungsunfähig erklärt. Trotz aller Anstrengungen sei es der Gesellschaft bisher nicht gelungen, die benötigten Finanzmittel einzuwerben, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Auch die Mai-Gehälter für die rund 500 Beschäftigten können nicht mehr gezahlt werden.
Nach Angaben einer Firmensprecherin will das börsennotierte Unternehmen in den nächsten Tagen aber keinen Insolvenzantrag stellen. Dafür habe Cargolifter nach der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit jetzt noch drei Wochen Zeit. Stattdessen sollen die Verhandlungen mit Banken, Investoren und dem Land Brandenburg fortgesetzt werden. Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem Land Brandenburg steht die Nutzung einer bestehenden achtzigprozentigen Ausfallbürgschaft. Bund und Land hatten Cargolifter zuletzt wegen Zweifel an der technischen und finanziellen Machbarkeit der Luftschiff-Projektes Finanzmittel verweigert.
Aktie vom Handel ausgesetzt
Die Lage des Unternehmens hatte sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt.Wegen akuter Finanzierungsprobleme hatte Cargolifter Mitte Mai den Bau des großen Luftschiffes CL 160 vorerst auf Eis gelegt und wollte sich künftig auf den kleineren Transportballon CL 75 konzentrieren, der schwere Lasten transportieren und punktgenau absetzen kann. Das Unternehmen konnte eine von der öffentlichen Hand in Aussicht gestellte Bürgschaft von zuletzt rund 35 Millionen Euro bisher nicht abrufen, da es keine Bank zur Mitfinanzierung gefunden hat. Während Bund und Land für rund 80 Prozent eines Kredites bürgten, müssten die Banken für ein Restrisiko von 20 Prozent aufkommen. Dazu waren die Kreditinstitute bisher nicht bereit.
Nach Angaben der Deutschen Börse ist die im MDax gelistete Aktie von Cargolifter bis Börsenschluss vom Handel ausgesetzt. Sie notierte zuvor mit mehr als acht Prozent im Minus bei 1,02 Euro. Beim Börsengang vor fast genau zwei Jahren lag der Kurs noch bei 15,00 Euro.
Text: @mey
Bildmaterial: dpa
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