28. September 2005 Die Menschen in Deutschland sind im September scheinbar weniger bereit zu größeren Anschaffungen und schätzten ihre Einkommensaussichten ungünstiger ein als vor einem Monat, dies ergab die monatliche Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Auf die Konjunktur blickten die Deutschen dagegen zuversichtlicher, wobei aber die Umfrage vor der Bundestagswahl abgeschlossen war.
War die Stimmung der Verbraucher im August dieses Jahres noch einigermaßen unbeeindruckt vom Anstieg der Ölpreise, so scheint dieser im September doch erste Spuren zu hinterlassen, erklärte die GfK am Mittwoch. Das daraus berechnete Konsumklima für Oktober verschlechterte sich auf 3,1 von revidiert 3,3 Zählern.
Wahlausgang dürfte die Stimmung auf niedrigem Niveau halten
Der Wahlausgang dürfte die Bundesbürger nicht in ihren Hoffnungen auf eine Wende (am Arbeitsmarkt) bestärkt haben, erklärte die GfK mit Blick auf die Stimmung nach der Wahl. Entsprechend ist zu befürchten, daß sich das Konsumklima bis zum Jahresende nicht mehr erholen wird.
Die GfK befragt monatlich 2.000 Personen zu ihren Konjunktur- und Einkommenserwartungen und ihrer aktuellen Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen. Daraus berechnet die GfK jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet. Allerdings hatten die vom Ifo befragten Unternehmen überraschend ihre Geschäftslage deutlich besser und ihre Aussichten unverändert günstig eingeschätzt.
Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) gab indes am Mittwoch bekannt, die Einzelhändler erwarteten wegen der schwierigen Regierungsbildung mit einem größeren Umsatzminus als bislang. Nach Aussage des HDE-Präsidenten Hermann Franzen seien die unklaren politischen Verhältnisse eine Konsumbremse allerersten Ranges.
Energiekosten schmälern die Kaufkraft
Der hohe Ölpreis - den der Hurrikan Katrina zeitweise auf Rekordhöhen um 70 Dollar getrieben hatte - macht den Verbrauchern der GfK zufolge zunehmend zu schaffen: Stark erhöhte Benzin- und Heizölrechnungen schmälern die Kaufkraft der Einkommen der privaten Haushalte. Der Indikator für die Einkommenserwartungen sank um 1,1 auf minus 11,7 Punkte. Die steigenden Ausgaben für Energie dämpften zudem die Konsumlust: Nachdem die Anschaffungsneigung im August noch auf den höchsten Stand seit Ende 2001 gestiegen war, rutschte der Indikator wieder um 8,9 auf minus 13,4 Zähler ab.
Den Anstieg der Konjunkturerwartungen um 7,1 auf minus 4,5 Punkte begründete die GfK vor allem mit der Hoffnung der Bürger, daß die Wahl auch die Wirtschaftserholung voranbringen würde. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese positive Grundstimmung auch nach dem jetzt bekannten Ausgang der Wahlen halten kann.
Entwicklung des Konsums ungewiß
Andreas Scheuerle von der Deka-Bank unterstreicht, wie Wichtig die Bewertung des Wahlausgangs durch die Bürger für ihr Konsumverhalten in den nächsten Monaten sein wird: Die Belastungen für die Haushalte sind immens. Die Perspektiven sind eher düster, daß auch die Gaspreise steigen. Die Ölpreise und damit die Benzinpreise belasten ohnehin. Für das künftige Konsumklima wird es wichtig sein, wie die Bürger in der nächsten Umfrage den Wahlausgang bewerten.
Die Bedeutung der anhaltenden Stagnation des Arbeitsmarktes für den privaten Konsum betont Ralph Solveen von der Commerzbank: Wir sehen in dem Indikator eigentlich keinen großen Fingerzeig, in welche Richtung es geht. Die Stimmung spielt höchstens eine untergeordnete Rolle. Die Leute brauchen mehr Geld in der Tasche. Weil der Arbeitsmarkt nicht in Gang kommt und die Lohnentwicklung zurückbleibt, sieht es auch für die nächste Zeit nicht gut aus für den privaten Konsum.
Text: Reuters
Bildmaterial: dpa
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