Internetauktionen

Markenhersteller klagen gegen Ebay

23. August 2006 Es ist immer das gleiche Prinzip: Ein Markenhersteller stößt beim Internet-Auktionshaus Ebay auf eine Fälschung seines Produktes. Nachdem der Hersteller das Internetunternehmen auf die Verletzung des Markenrechts hingewiesen hat, löscht Ebay das betreffende Angebot.

Doch schon wenige Tage, Stunden oder gar Minuten später taucht dasselbe Angebot wieder auf - der Händler hat sich einfach unter einem anderen Namen wieder angemeldet und preist seine Kopien aufs Neue an. Wieder weist der Inhaber der Markenrechte Ebay auf die Fälschung hin. Das Katz- und Mausspiel geht in die nächste Runde.

Gefälschte Cremes und Parfums

Seit vergangenem März hat zum Beispiel das Kosmetikunternehmen L'Oréal insgesamt 6.800 Einzelangebote bei Ebay Deutschland löschen lassen. Dabei ging es nicht nur um Fälschungen von Cremes und Parfums, sondern auch um Umverpackungen und Tester, die illegalerweise zum Verkauf angeboten wurden.

In Frankreich sind 400 Markenhersteller die ewige Wiederholung des gleichen Verfahrens leid: Ihr Verband, die Union des Frabricants (Unifab), will Ebay auf Schadensersatz verklagen, weil es ihrer Meinung nach nicht entschieden genug gegen Produktpiraten vorgeht.

Gespräche mit Ebay

Der Markenverband, das deutsche Pendant der Unifab, plant jedoch keine Klage: „Wir haben Verständnis für den Schritt der Franzosen, gehen jedoch vorerst einen anderen Weg“, sagt Horst Prießnitz, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes. Seit über einem halben Jahr führe man mit Ebay Gespräche über das Thema und sei nicht ohne Zuversicht, noch in diesem Jahr eine Einigung zu erzielen.

Der Verband fordert von Ebay vor allem schärfere Sanktionen gegen Produktpiraten, den Einsatz einer besseren Filtersoftware und eine größere Transparenz der Anbieter. Auch der Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie verlangt von Ebay, schärfer gegen Produktpiraten vorzugehen, weist jedoch auf gegensätzliche Interessen hin: „Ebay verdient schließlich an jedem, der die Plattform nutzt“, sagt Doris Möller, geschäftsführender Vorstand des Aktionskreises.

Verbandsmitglieder haben schon geklagt

Auch wenn der Markenverband noch auf eine einvernehmliche Lösung setzt, haben einige seiner Mitglieder Ebay Deutschland bereits verklagt. Das Kosmetikunternehmen Lancôme, eine L'Oréal-Tochtergesellschaft, fordert vor dem Landgericht München, daß Ebay präventiv die Seite eines amerikanischen Anbieters löscht, der eine Fälschung des Lancôme-Duftes „Magie Noire“ vertreibt - und nicht nur nach wiederholter Aufforderung.

„Es geht uns nicht nur um den Einzelfall, sondern wir wollen damit eine Grundsatzentscheidung herbeiführen, in der die Pflichten von Ebay festgelegt werden“, heißt es bei der Berliner Kanzlei Lubberger Lehment, die Lancôme in diesem Fall vertritt. Auch die Coty Lancaster Group, die unter anderem die Markenrechte an den Joop- und Jil Sander-Parfums besitzt, hat in Deutschland gegen Ebay geklagt. Beim Internet-Auktionshaus wollte man zu den Vorwürfen jedoch keine Stellung beziehen, da es sich um schwebende Verfahren handele.

Furcht vor Schädigung des Vertrauens

Bei ihrem Vorstoß gegen die Produktpiraten geht es den Unternehmen weniger um Umsatzeinbußen, sondern vor allem um Prestigeverlust. „Die Marken befürchten eine gravierende Beschädigung des Verbrauchervertrauens“, sagt Prießnitz. Denn auf nichts reagierten Markenprodukte sensibler als auf enttäuschte Erwartungen.

Nicht Ebay, sondern dem Konsumenten weist Prießnitz die Hauptrolle im Kampf gegen Markenpiraterie zu: „Wenn das Unrechtsbewußtsein beim Verbraucher, der wissentlich Fälschungen erwirbt, nicht zunimmt, können wir langfristig gar nichts ausrichten.“



Text: F.A.Z., 24.08.2006, Nr. 196 / Seite 14, jul.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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