Banken

Ackermann denkt an Rücktritt

Josef Ackermann sieht sich bedroht

Josef Ackermann sieht sich bedroht

19. Mai 2005 Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, will offenbar zurücktreten, falls der Bundesgerichtshof den Freispruch für ihn im „Mannesmann-Prozeß“ aufhebt. Dies ist am Finanzplatz Frankfurt zu hören.

Die Entscheidung der Bundesrichter könnte im kommenden Herbst fallen. Dem Vernehmen nach will Ackermann aber auch dann, wenn die Bundesrichter den Gerichtsprozeß nicht neu aufrollen, seinen in zwei Jahren auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern.

Ackermanns Abwehr

Hinzu kamen Angriffe führender SPD-Politiker bis hin zum Partei- und Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering. Ackermann wehrte sich am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Bank in Frankfurt gegen Kritik von Müntefering an mangelnder Ethik profitorientierter Unternehmer. „Niemand - zumindest niemand, den ich kenne - will einen ,Kapitalismus pur' und schon gar keinen ,Raubtier-Kapitalismus'“, sagte Ackermann vor rund 5200 Aktionären. Das seien „Vokabeln aus der Zeit des realen Sozialismus - und wohin der geführt hat, ist ja bekannt“.

International orientierte Unternehmen wie die Deutsche Bank müßten jedoch vorausschauend handeln. Die Debatte schaffe keinen einzigen Arbeitsplatz und sorge im Ausland für Kopfschütteln. Die Kritik an Deutschlands größtem Geldinstitut und an seiner eigenen Person empfinde er als beschämend. Erfolg sei kein Selbstzweck. Vielmehr riskiere die Bank, ohne Erfolg im weltweiten Wettbewerb unterzugehen. Der Stellenabbau sei schmerzhaft, aber unumgänglich.

Zahlreiche Morddrohungen

Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, erneuerte unterdessen die Kritik an Ackermann. Unternehmen hätten Verantwortung für Gesellschaft und Zukunft. „In diesen beiden Dimensionen der Ökonomie ist Herr Ackermann unterbelichtet“, erklärte er. „Das Dilemma der Deutschen Bank beginnt an der Spitze. Herr Ackermann ist kein Vertreter der Zukunft.“

Dem Vernehmen nach sieht sich Ackermann als Opfer einer Hetze. Seine Familie soll zahlreiche Morddrohungen erhalten haben. Müntefering hatte Ackermann im Zuge seiner Kampagne gegen Finanzinvestoren (“Heuschrecken“) und andere „Auswüchse von Globalisierung und Kapitalismus“ mehrfach namentlich genannt.

Konsequenz aus langjährigem Verfahren

Auch in seinem eigenen Haus gerät der Schweizer unter Druck, weil sich trotz steigender Gewinne der Kurs der Aktie kaum erhöht hat. Allerdings zeichnet sich innerhalb der Deutschen Bank noch keine Lösung für eine mögliche Nachfolge Ackermanns ab. Ackermann zöge mit einem Rücktritt die Konsequenz aus einem langjährigen Strafverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn.

Dieses hat vor einigen Wochen durch einen Vorstoß der Bundesanwaltschaft zusätzliches Gewicht erhalten. Es geht auf die Übernahme des Telekommunikationsunternehmens Mannesmann durch dessen britischen Wettbewerber Vodafone Anfang des Jahres 2000 zurück. Im Präsidialausschuß des Mannesmann-Aufsichtsrats hatte Ackermann damals rund 60 Millionen Euro Prämien und Pensionsabfindungen an amtierende und frühere Manager sowie an deren Angehörige bewilligt.

Zur Führung noch geeignet?

Beobachter halten es nach der massiven Kritik von Generalbundesanwalt Kay Nehm am Freispruch nicht für unwahrscheinlich, daß der Bundesgerichtshof eine Neuauflage des Strafprozesses anordnet. Dann wäre eine neue Hauptverhandlung mit monatelanger Zeugenvernehmung unumgänglich, bei der Ackermann anwesend sein müßte. Denkbar wäre, daß der Dritte Strafsenat in Karlsruhe den Fall nicht wieder an das Landgericht Düsseldorf zurückverweist, sondern an eine Wirtschaftsstrafkammer etwa in Köln oder Bonn.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht müßte dann zudem ernsthaft prüfen, ob Ackermann nach dem Kreditwesengesetz noch die Eignung zur Führung einer Großbank besitzt. Falls Ackermann sich vorher zurückzieht, könnte das überdies seine Aussichten auf eine Abfindung für eine vorzeitige Lösung des Vorstandsvertrags vergrößern.

Keine Personaldiskussion

Die Rücktrittsgerüchte haben auf der Hauptversammlung der Bank am Mittwoch noch keine große Rolle gespielt. Ackermann ging in seiner Rede auf die neue Runde im Mannesmann-Prozeß vor dem Bundesgerichtshof nicht ein. Ein Sprecher der Bank lehnte einen Kommentar ab. Es gebe keine Personaldiskussion.

Dies sei eine sehr persönliche Entscheidung Ackermanns, hieß es am Rande der Haupterversammlung. Auch Aktionäre sprachen in der Fragerunde bis zum späten Nachmittag Ackermann nicht auf diesen Bericht an.

Am Donnerstag abend versuchte die Deutsche Bank, den Rücktrittsgerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Berichte über Personaldiskussionen entbehren jeglicher Grundlage. Sie sind absolut spekulativ, und wir dementieren sie“, lautete die offizielle Stellungnahme.

Text: jja./hlr. / F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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