Transport

Luftschifftraum geplatzt

Cargolifter baut jetzt kleinere Ballonchen

Cargolifter baut jetzt kleinere Ballonchen

17. Mai 2002 Der finanziell angeschlagene Luftschiffbauer Cargolifter hat die Fertigstellung seines Vorzeigeprojekts auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Pläne für das gigantische Luftschiff CL 160 für Lasten bis zu 160 Tonnen bleiben vorerst in der Schublade.

Vorstandschef Carl von Gablenz kündigte am Freitag in Berlin an, dass Cargolifter zunächst nur wesentlich kleinere Transport-Ballons bauen will. Wegen der massiven Finanzprobleme wird es auch Entlassungen geben.

Notbremse gezogen

Mit der Ankündigung, das Flaggschiff des Unternehmens vorerst nicht zu bauen, zog Cargolifter die Notbremse. Nach eigenem Bekunden reicht dem Unternehmen das Geld nur noch wenige Tage. Gablenz ließ offen, ob die Mai-Gehälter gezahlt werden können. Auf dem Spiel stehen insgesamt 500 Arbeitsplätze, die meisten davon in Brand südlich von Berlin im Land Brandenburg, wo Cargolifter seine Werkshalle hat.

Wegen der ungewissen Entwicklung hatten es Bund und Land in den vergangenen Tagen abgelehnt, Cargolifter rasch Finanzhilfen zu geben. Auch aus der Privatwirtschaft und am Kapitalmarkt kam kaum Geld zusammen. Am Freitag sackte die Cargolifter-Aktie weiter ab. Das Papier, das einst mehr als 23 Euro wert war, notierte nur noch bei 1,30 Euro - ein weiterer Verlust von 8 Prozent.

Bisher verkaufte Ballons: Einer

Zur Entwicklung des CL 160, der im Frühjahr 2005 erstmals abheben sollte, fehlen dem Unternehmen nach eigenen Angaben noch 420 Millionen Euro. „Wir können das Luftschiff so nicht bauen“, gab Gablenz zu. „Also müssen wir unsere Strategie ändern.“ Mit der Beschränkung auf den Bau des Transport-Ballons CL 75 und andere kleinere Aktivitäten würden bis Ende August kommenden Jahres nur noch 70 Millionen Euro gebraucht. Von dem Ballon hat Cargolifter bislang allerdings nur ein Exemplar verkauft.

Das Träumen geht weiter

Gablenz bestritt aber energisch, dass damit die Luftschiff-Pläne endgültig gestorben seien. „Der CL 160 ist unser Flaggschiff. Und er wird es bleiben“, sagte der Cargolifter-Gründer. „Wir sind in der Lage das Luftschiff zu bauen, wenn wir die Finanzierung haben.“ An der Entwicklung des gigantischen Luftschiffes - 260 Meter lang, 82 Meter hoch - arbeitet Cargolifter bereits seit 1996. Einen Prototypen gibt es noch nicht. Das Entwicklungsteam für den CL 160 soll nun auf eine „Kernmannschaft“ verkleinert werden. Gablenz sagte nicht, wie viele Beschäftigte entlassen werden.

Boeing prüft weiter

Unterdessen ließ der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing weiter offen, wie er sich eine Zusammenarbeit mit Cargolifter vorstellt. Der US-Konzern hatte kürzlich angekündigt, gemeinsam mit dem ostdeutschen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu prüfen. Die Entscheidung solle „innerhalb der nächsten neun Monate“ fallen, sagte Boeing- Technik-Chef Dave Swain in Berlin. Ein finanzieller Einstieg sei „möglich, aber nicht wahrscheinlich“.

Text: dpa
Bildmaterial: dpa

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