Hochschulfinanzierung

Software-AG-Gründer denkt über Uni-Übernahme nach

08. Juni 2007 Die Stiftung des Gründers der Software AG erwägt die Übernahme der privaten Universität in Witten-Herdecke. „Im Moment laufen intensive Beratungen“, sagte ein Stiftungssprecher am Freitag der Nachrichtenagentur DPA.

Die Darmstädter wollen in Kürze über eine verbindliche Offerte entscheiden, um die Stimmenmehrheit von den überwiegend privaten Eignern zu übernehmen und die anthroposophisch ausgelegte Uni mit einem finanziellen Polster für mehrere Jahre auszustatten. Dabei gehe es um eine Summe von 23 Millionen Euro.

„Wir würden das gern machen, aber nicht allein“

„Studierende haben uns angesprochen, ob wir uns engagieren wollen“, hatte der Stiftungssprecher in einem Zeitungsgespräch gesagt. „Wir würden das gern machen, aber nicht allein.“ Es gebe bereits Gespräche mit weiteren Stiftungen und Unternehmen.

Die finanziell ins Schlingern geratene älteste deutsche Privatuniversität bestätigte das Interesse aus Darmstadt. „Bislang gibt es mehrere ernsthafte Interessenten. Ein verbindliches Angebot liegt aber noch von keinem vor“, sagte Hochschulsprecher Dirk Hans. Es gehe um einen kompletten Austausch der Gesellschafter. Bisher sind Unternehmen wie Oetker und Deutsche Bank engagiert, die aber eher ideelle Gesellschafter sind und Geld nur in Form von Spenden zuschießen.

„Drei bis vier potente Partner“

Jetzt wird ein Konsortium gesucht. Als potenzieller Gesellschafter gilt auch die Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH). Der private Klinik- und Fachhochschulbetreiber will nach bisherigen Aussagen mit 13 Millionen Euro einsteigen. Laut SRH müssten weitere „drei bis vier potente Partner“ mit je etwa derselben Summe mitmachen, um die Hochschule dauerhaft zu sanieren.

Stifter und Vorstandschef der Stiftung Software AG ist Peter Schnell. Der Anthroposoph hatte der Hochschulleitung bereits im Mai eine Absichtserklärung überreicht. Anfang dieser Woche prüften Mitarbeiter in Witten die Bücher und fanden ein Defizit von 12 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von 36 Millionen Euro. „Die Uni ist eine große Baustelle, ohne Einschnitte wird es auch mit uns nicht gehen“, sagte der Sprecher der Software-Stiftung. Die Heidelberger SRH Holding betreibt neben diversen Kliniken auch fünf Hochschulen.

Fast von Beginn an Finanzprobleme

Witten-Herdecke, gegründet in den 80er Jahren in der Nähe der großen Universitäten von Dortmund und Bochum, litt fast von Beginn an unter Finanzproblemen. Deshalb stiegen 1995 das Land und der Bund beim laufenden Betrieb ein. Das Förderprogramm sollte 2005 auslaufen, musste aber notgedrungen verlängert werden.

Im Sommer 2006 sorgte dann der Wissenschaftsrat mit scharfer Kritik an der medizinischen Forschung für einen Paukenschlag. Die Hochschule bekam ihre Akkreditierung, ihr universitäres Gütesiegel erst, nachdem sie erhebliche Personalaufstockungen in der Medizin zusicherte.



Text: DPA
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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