24. Juni 2004 Nach der Übernahme des Kölner Musiksenders Viva durch den Konkurrenten MTV will die amerikanische Muttergesellschaft Viacom die insgesamt vier Kanäle neu positionieren. Dies erklärte Viacom-Co-Präsident Tom Freston am Donnerstag in Frankfurt. Es werde an neue Zielgruppen gedacht, sagte MTV-Deutschlandchefin Catherine Mühlemann. Möglicherweise blieben nur zwei bis drei Musiksender erhalten. Die Standorte Berlin (MTV) und Köln (Viva) sollen bestehen bleiben.
Am Morgen hatte der amerikanische Medienkonzern Viacom mitgeteilt, daß er den den Kölner Musiksender-Betreiber Viva Media AG übernommen habe. Die Viva-Großaktionäre hätten Viacom im Rahmen eines Aktienkaufvertrages 75,8 Prozent der Viva-Anteile übertragen. Viacom biete 12,65 Euro in bar pro Stückaktie.
Das Angebot bewertet Viva nach Unternehmensangaben mit rund 309 Millionen Euro. Die im Prime Standard gelistete Viva-Aktie war am Mittwoch bei 12 Euro aus dem Handel gegangen. Vorbehaltlich einer Überprüfung der Angebotsunterlage unterstütze der Viva-Vorstand diese Transaktion, teilte Viva mit. Viacom kontrolliert bereits den konkurrierenden Musiksender MTV. An Viva hält Time Warner rund 31 Prozent, Vivendi Universal Music besitzt 15,3 Prozent.
Im SDax stiegen die Titel von Viva Media am Morgen zunächst um sechs Prozent auf 12,72 Euro. Damit lagen sie leicht über dem Niveau des Übernahmeangebotes von Viacom.
Viacom zeigt sich optimistisch, daß die Übernahme der Viva Media AG nicht am Einspruch des Bundeskartellamts scheitern wird. Ich sehe keine materiellen Gründe dafür, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Viacom-Tochter MTV Networks Europe, Simon Guild, am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Die Kartellbehörden werden die Transaktion so behandeln wie sie müssen, fügte er hinzu. Im Vorfeld der Übernahme war in Medienberichten auf mögliche Vorbehalte der Kartellbehörden hingewiesen worden, weil Viacom künftig mit MTV und Viva den deutschen Musik-TV-Markt praktisch kontrollieren würde.
Nie hat MTV größer eingekauft
Die Übernahme von Viva sei die größte Akquisition, die MTV jemals getätigt habe, fügte der Präsident von MTV Networks International, Bill Roedey, hinzu. Der deutsche Musik-TV-Markt sei der größte außerhalb der Vereinigten Staaten und außerordentlich wichtig für das Unternehmen. Ich sehe hier ein enormes Wachstumspotential, so Roedey. MTV-Managerin Catherine Mühlemann ergänzte, von der Übernahme würden sowohl MTV als auch Viva profitieren, und versprach dem Publikum eine größere Bandbreite des Musik-Angebots. Auch für Werbekunden sei die Akquisition eine gute Nachricht, da sie nun ein breiteres Publikum erreichen könnten.
Schon vor rund zwei Jahren gab es Nachrichten über zwei amerikanische Medienkonzerne, die sich eine Übernahmeschlacht um den nach eigenen Angaben im Musik-TV-Markt führenden Anbieter in Deutschland, der Schweiz, Polen und Ungarn liefern wollten (Mögliche Viva-Übernahme beschäftigt Medienpolitik). Als Protagonisten der Auseinandersetzung galten damals der Medienkonzern AOL Time Warner und Viacom-Konzern.
Vor kurzem hatte die Saban Capital Group von ProSiebenSat.1-Mehrheitseigner Haim Saban bereits Interesse am Kauf des Kölner Medienkonzerns gezeigt.
Die Viva Media AG betreibt den Musiksender Viva und erstellt und verkauft mit der Tochter Brainpool Fernsehproduktionen wie TV Total mit dem Entertainer Stefan Raab. Zudem produziert das Unternehmen auch die neue Late-Night-Show auf Sat.1 mit Anke Engelke. Der Sender war 1993 in Konkurrenz zu MTV an den Start gegangen und erreicht mittlerweile 32 Millionen Haushalte.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa und vwd/Dow Jones
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb
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