27. April 2004 ela./Dow Jones-vwd. WIEN/FRANKFURT, 27. April. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) denkt über ein neues Preisband nach. Dies kündigte der Präsident des für ein Drittel der Weltförderung verantwortlichen Kartells, Purnomo Yusgiantoro, in Jakarta an. Ob dieses im Bereich von 28 bis 32 Dollar je Barrel liegen wird, wollte der Opec-Präsident nicht kommentieren. Ein Sprecher der in Wien ansässigen Organisation bestätigte am Dienstag dieser Zeitung, daß der Vorschlag auf der Agenda der Ölminister für ihr außerordentliches Treffen Anfang Juni in Beirut stehen werde. Dies bedeute jedoch nicht notwendigerweise, daß die Idee auch umgesetzt werde. Der Ölminister von Saudi-Arabien, Ali Naimi, sagte nach Agenturmeldungen indessen, daß Saudi-Arabien dem alten Band von 22 bis 28 Dollar verpflichtet bleibe. Allerdings sei der Markt komplex und werde weder von der Opec noch von Saudi-Arabien kontrolliert.
Derzeit streben die Opec-Mitglieder eine Bandbreite von 22 bis 28 Dollar an, wobei der tatsächliche Korbpreis für Opec-Öl dieses Band seit Ende vergangenen Jahres überschreitet. Der vor vier Jahren eingeführte Mechanismus, nach dem das Kartell auf Überschreitungen der Bandbreite mit Förderausweitungen reagiert, ist seit längerem ausgesetzt.
Venezuela hatte am Montag angekündigt, es werde eine Heraufsetzung des Preisbandes um 2 Dollar vorschlagen. Falls die Organisation diesen Vorschlag umsetzt, könnte sich Energie längerfristig verteuern, glauben Fachleute auf Basis der Erfahrung seit Einführung des Mechanismus. Das Preisband habe dazu geführt, daß die Preise für langfristig vereinbarte Lieferungen steigen, meint der Wiener Energiebroker Johannes Benigni von PVM Associates, der bis Jahresende wegen der höheren Nachfrage im dritten und vierten Quartal - einen Erdölpreis von 40 Dollar je Barrel für realistisch hält. Für den jetzigen Ölpreisanstieg macht Benigni die Opec jedoch nicht verantwortlich. Dazu trügen Spekulanten wesentlich bei, die in Erwartung eines Wirtschaftsaufschwungs Rohstoffe aller Art kauften.
Am Montag setzte sich der Anstieg des Ölpreises weiter fort. Ein Barrel Öl (159 Liter) der Opec-Länder kostete im Durchschnitt 32,87 Dollar, nach 32,58 Dollar am letzten Handelstag davor. In New York stieg der Preis bis zum Handelsende um 1,4 Prozent auf 36,97 Dollar je Barrel.
Die Automobilclubs meldeten am Dienstag, daß die Benzinpreise in Deutschland den höchsten Stand der Nachkriegsgeschichte erreicht haben. Die Mineralölkonzerne hätten am Montag abend "ohne nachvollziehbare Gründe" die Preise bis auf ein neues Rekordniveau von 1,17 Euro je Liter Super getrieben, kritisierte der Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt. Der bisherige Preisrekord für den Liter Super wurde den Angaben nach am 11. März mit 1,16 Euro je Liter erreicht. Auch der Preis für Diesel habe inzwischen mit 0,94 Euro je Liter ein neues Jahreshoch erreicht, ergänzte der ACE Auto Club Europa.
Die beiden Verbände werfen der Mineralölwirtschaft Preistreiberei vor. Da der starke Euro-Kurs den Anstieg des Ölpreises mehr als aufwiege, sei es "unverständlich und nicht nachvollziehbar", daß die Benzinpreise weiter stiegen. Der AvD forderte die Mineralölkonzerne auf, "endlich zu einer ehrlichen Preispolitik zurückzukehren". Nach Angaben des Energie-Informationsdienstes (EID) müssen sich die Verbraucher jedoch auf weiter steigende Preise gefaßt machen.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2004, Nr. 99 / Seite 11
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