Handel

Zerstrittene Geschwister besiegeln Trennung bei Tchibo

18. August 2003 Nach jahrelangem Streit um Geld und Einfluß bei der Tchibo-Holding haben die Geschwister der Hamburger Kaufmannsfamilie Herz ihre Trennung besiegelt.

In Industriekreisen hieß es am Montag, die Klärung der Aktionärsstruktur solle es der Münchener Allianz nun leichter machen, von ihr gehaltene Anteile an dem Hamburger Kosmetikunternehmen Beiersdorf an Tchibo zu verkaufen.

Der frühere Tchibo-Chef Günter Herz, seine Schwester Daniela und der Rechtsanwalt Otto Gellert werden für den Verzicht auf ihre Anteile an dem Kaffee- und Handelskonzern mit vier Milliarden Euro in bar abgefunden, wie Tchibo bekannt gab. Die von ihnen gemeinsam gehaltenen Anteile an Tchibo in Höhe von 39,6 Prozent sollen von den restlichen Geschwistern und der Mutter übernommen werden, die damit Tchibo vollständig kontrollieren. Die fünf Geschwister und ihre über 80-jährige Mutter beschlossen auf ihrer Gesellschafterversammlung die Zahlung einer Sonderausschüttung von insgesamt 4,6 Milliarden Euro.

Interesse von Tchibo an Beiersdorf soll weiter bestehen

Die Klärung der Eigentümerstrukturen solle es der Allianz erleichtern, von ihr gehaltene Anteile an Beiersdorf an Tchibo zu verkaufen. Der Münchener Allfinanzkonzern ist mit 44 Prozent an Beiersdorf beteiligt und hat Verkaufsbereitschaft erkennen lassen.

Über ihre Holding ist die Familie Herz an Beiersdorf beteiligt und besitzt zudem den Kaffeeröster Tchibo mit gut drei Milliarden Umsatz, über 10.000 Beschäftigten und 53.000 Tchibo-Shops zu einhundert Prozent. Der Kosmetikkonzern Beiersdorf mit einem Jahresumsatz von zuletzt 4,7 Milliarden Euro und einem Reingewinn von 290 Millionen Euro gilt seit längerem als Übernahmekandidat. Ein Geschäft mit der Allianz ist wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen bislang aber nicht zu Stande gekommen. Als mögliche Partner für Beiersdorf waren wiederholt auch der französische Kosmetikhersteller L'Oreal , dem amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble und die Düsseldorfer Henkel-Konzern gehandelt worden.

Kein Herz und eine Seele

Der zerstrittene Tchibo-Familienclan hatte den seit Jahren anhaltenden Zwist bereits Ende Juni für beendet erklärt und den Rückzug von Günter und Daniela Herz angekündigt. Teil der damals bekannt gegebenen Übereinkunft war, daß die Geschwister bei einer Einigung mit dem größten Beiersdorf-Aktionär Allianz ihre Interessen bündeln wollten, um ihre Anteile an Beiersdorf zu einer Mehrheit aufzustocken.

Die Mittel für die Abfindungszahlungen der Tchibo-Eigner stammen aus dem Verkauf des Zigarettenkonzerns Reemtsma im vergangenen Jahr. Damals hatte Tchibo von der britischen Imperial Tobacco für gut 90 Prozent an Reemtsma 5,2 Milliarden Euro in bar erhalten.

Text: Reuters
Bildmaterial: F.A.Z.

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