01. August 2004 Das International Accounting Standards Board (IASB) plant eigene Bilanzstandards für den Mittelstand. Bereits seit 2001 beschäftigt sich das Board mit diesem Thema, seit Juli 2003 in einem eigenen Projekt. "Generell profitieren kleine und mittlere Firmen von denselben Vorteilen durch die Übernahme der IFRS-Regeln wie große Unternehmen, beispielsweise größere Transparenz und internationale Vergleichbarkeit", sagt Sir David Tweedie, Chairman des IASB. Allerdings räumt er ein: "Kleineren, inhabergeführten Firmen ist der damit verbundene Verwaltungs- und Organisationsaufwand nicht zuzumuten." Deshalb veröffentlichte das IASB Ende Juni sein erstes Arbeitspapier, das Vorschläge einholen soll, wie die IFRS-Standards für Mittelständler vereinfacht oder entschlackt werden können. Die Frist für die Antworten auf das öffentliche Diskussionspapier läuft laut Tweedie bis zum 24. September. Danach startet die interne Auswertung, auf deren Grundlage dann konkrete Vorschläge gemacht werden. Tweedie ist zuversichtlich, daß die überarbeiteten IFRS-Regeln für den Mittelstand dann endgültig ab 2008 umgesetzt werden. Bei dem Projekt setzt das IASB offenbar auf den sogenannten "Comprehensive Approach", das heißt, das Board will einen vollständigen Satz vereinfachender Standards speziell für die Abschlüsse kleiner und mittlerer Unternehmen schaffen. Einige Länder (beispielsweise Australien und Kanada) favorisieren dagegen die Schaffung von Wahlrechten für kleine und mittlere Unternehmen in einigen ausgewählten Standards ("Differential Reporting Approach"). Wie weitreichend die Erleichterungen sein werden, ist derzeit nicht abzusehen. "Es ist noch nicht klar, ob die Mittelständler weniger Pflichtangaben machen müssen oder ob für sie auch materiell andere Bilanzierungsvorschriften gelten werden", sagt Isabel von Keitz, Professorin an der Fachhochschule Münster. (ufe./nr.)
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2004, Nr. 177 / Seite 16
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