26. Mai 2006 Die Lohnzusatzkosten in Deutschland haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) meldet, zahlten westdeutsche Industrieunternehmen 2005 im Durchschnitt fast 22.000 Euro für Sozial- und Sonderleistungen zusätzlich zum direkten Arbeitsentgelt ihrer Vollzeitbeschäftigten. Das sind 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Weil sich allerdings im gleichen Zeitraum auch die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 1,9 Prozent erhöhten, war das Verhältnis der Lohnzusatzkosten zum Direktentgelt leicht rückläufig. Wendeten die Arbeitgeber 2004 für 100 Euro Direktentgelt noch 72,20 Euro an Zusatzkosten auf, verringerte sich dieser Betrag im vergangenen Jahr auf 71,40 Euro.
In Ostdeutschland stiegen die Lohnzusatzkosten um 1 Prozent auf 13.530 Euro. Dank höherer Löhne und Gehälter sank die Zusatzkostenquote aber auch hier leicht um 0,7 Prozentpunkte auf 62,60 Prozent. Die Arbeitskosten im Osten blieben damit auch 2005 deutlich geringer als im Westen. Die Differenz zu Westdeutschland resultiert vor allem aus den nach wie vor geringeren Ausgaben für Vermögensbildung, für die betriebliche Altersversorgung und aus den niedrigeren Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld.
Geringere Zahl von Jahressonderzulagen
Den moderaten Anstieg der Lohnzusatzkosten begründet das IW unter anderem damit, daß die Arbeitnehmer seit dem 1. Juli des vergangenen Jahres 0,9 Prozentpunkte ihres Beitragssatzes zur Krankenversicherung alleine finanzieren. Die Belastung der Arbeitgeber sank dadurch um 0,45 Prozentpunkte. Zudem hätten sich im vergangenen Jahr weniger Arbeitnehmer krankgemeldet als 2004, heißt es. Die Aufwendungen der Arbeitgeber für die Lohnfortzahlung verringerten sich dadurch im Westen um 10 Cent auf 3,40 Euro je 100 Euro Direktentgelt. Gebremst wurde der Anstieg der Zusatzkosten auch durch niedrigere Jahressonderzahlungen sowie durch die geringere Zahl von Insolvenzen und Entlassungen.
Die Lohnzusatzkosten werden alle vier Jahre vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ermittelt, zuletzt im Jahr 2000. Das IW schreibt in der Zwischenzeit die Zahlen fort. Anders als die Statistiker in Wiesbaden rechnet das Institut dabei seit 2005 erfolgs- und leistungsabhängige Zahlungen dem Arbeitsentgelt und nicht mehr den Sozialkosten zu.
Text: nwo., F.A.Z., 27.05.2006, Nr. 122 / Seite 12
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