18. August 2006 Die Schufa will die Kreditwürdigkeit von Bürgern künftig noch differenzierter bewerten als bisher. Schulden etwa gegenüber Geldinstituten oder Handyanbietern, Versandhändlern oder Kreditkartenunternehmen würden vom nächsten Jahr an sofort gelöscht, wenn sie binnen eines Monats beglichen werden und weniger als 1000 Euro betragen, sagte Schufa-Sprecher Stefan Horst am Freitag dieser Zeitung.
Dann werde diese Angabe nicht wie sonst erst nach drei Jahren getilgt. Auch beeinflusse sie in diesem Fall nicht die Bewertung der Kreditwürdigkeit - den sogenannten Score-Wert, der berechnet wird, wenn der Betreffende etwa ein Darlehen aufnehmen oder einen Mobilfunkvertrag abschließen will. Alle Vertragspartner der Schufa meldeten ihr eine solche Erledigung genauso wie die vorherige Säumnis, versicherte Horst.
Unverbindliche Kreditanfragen ändern Punktwert nicht
Die Punktezahl soll sich nach Horsts Angaben auch dann nicht mehr verschlechtern, wenn ein Verbraucher sich bei mehreren Banken nur unverbindlich nach den Bedingungen für einen Kredit erkundigt. Bisher verschlechtert eine Mehrzahl solcher Anfragen binnen kurzer Zeit die Bewertung, weil das Auskunftsbüro von einem möglicherweise erhöhten Geldbedarf ausgeht.
Beim Abschluß mehrerer Darlehensverträge erhöht sich natürlich auch das Ausfallrisiko eines Kunden, erläuterte Horst. Die Schufa werde daher noch in diesem Jahr ein neues Merkmal in ihrer Datei einführen, das sich Konditionenanfrage nennt. Eine solche werde dann keiner anderen Bank mitgeteilt und fließe auch nicht in den Score-Wert ein.
Kreditwürdigkeit ausrechnen lassen
Überdies erhalten Bürger die Gelegenheit, sich ihre Punktzahl für künftige Zeitpunkte ausrechnen zu lassen. So beeinflusse es die Bewertung günstig, wenn beispielsweise ein Ratenkredit bereits seit längerem störungsfrei zurückgezahlt werde, erklärte Horst.
Die Schufa - eine nicht börsenotierte Aktiengesellschaft, die von den eigenen Vertragspartnern aus der Wirtschaft getragen wird - denkt überdies noch über eine grundlegende Neuerung nach. Bürger sollen vermutlich die Möglichkeit erhalten, mit eigenen Angaben ihren Punktwert zu verbessern, wie Horst bestätigte.
Mehr Transparenz: Bürger können Daten einsehen
Denn die Schufa kenne nicht das Monatseinkommen eines Verbrauchers oder wisse nicht, ob er Beamter sei. Solche Selbstmeldungen geschähen dann auf rein freiwilliger Grundlage, unterstrich er; die Informationen müßten zudem überprüfbar sein.
Seit kurzem bietet das Unternehmen bereits im Zuge seiner Transparenzoffensive Bürgern die Möglichkeit, rund um die Uhr im Internet (www.meineschufa.de) die über sie gespeicherten Daten einzusehen.
Text: F.A.Z., 19.08.2006, Nr. 192 / Seite 10/jja.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb
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